Wie alles begann …

11-SabineMauz_RaSch06I18_180626-JK-68475Was ist ein Clown? Wie findet man seinen Clown? Inwiefern unterscheidet sich die clowneske Kunstfigur von der eigenen Privatperson?

Wer bislang mehr über Frau Mauz‘ clowneske Anfänge wissen wollte, musste sich durch Sabine Mauz‘ Erstlingsstückwerk: `Endlich rund` kämpfen. Nun gibt es die wichtigsten, anfänglichen (!) Kurzgeschichten und Sucherfahrungen aus rund um das Thema Clown in einer schnellen Aneinanderreihung als .pdf: Wie_alles_begann …

Wer Lust auf eine Selbsterfahrung in Sachen Clownerie hat, kann sich gerne zu einem Workshop im Figurentheaterkolleg in Bochum oder bei einem anderem Clownskurs seiner Wahl anmelden …

Und hier noch ein paar Eindrücke von Frau Mauz heute (Stand: 25.9.2018 bei der Rampenschweinerei in Fürth), aufgenommen von Jürgen Klieber:

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Erzähl-Adventskalender

Oh, wie schön, heute früh fand Frau Mauz einen Überraschungsadventskalender auf ihrem Platz. Das heißt, von nun an darf sie jeden Tag ein schokoladiges Türchen aufmachen. Jammjamm …

Schokolade lässt sich übers Internet schlecht teilen, dafür passen in diesen Blogbeitrag wunderbar 24 andere kleine, feine Adventsüberraschungen.
Beginnen wir mit dem 1. Dezember. Mit dem Tag, an dem man das erste Türchen öffnen kann …

1. Dezember:
Das ist der Tag, an dem man das erste Türchen öffnen kann. Normalerweise. Meistens. Das heißt, so gut wie immer. Außer man wächst in einer Familie auf, zu der zwei weitere eigene und circa dreißig Schulkinder gehören, dann beginnt die Adventskalenderzeit manchmal etwas später. Dafür bekommt man am 3. oder 4. Dezember eine selbst gebastelte Adventsleiter, bestehend aus jeweils 24 kleinen, von Mama verpackten Geschenken, von denen man immer das unterste abschneiden darf.
Das heißt, wenn die Leiter erst am 4. Dezember hängt, hat man Glück und es gibt vier süße Leckereien auf einmal. Jammjamm. Und bis dahin öffnet man einfach immer brav die Türen am gekauften Schokokalender der Oma, damit man sich nicht aus Versehen im Datum vertut …
Wie auch immer er aussieht, euer erster Dezember, lasst es euch gut gehen!

2. Dezember:
Kennen Sie die Konditorei Zimtstern? Ja, die gibt es tatsächlich und anscheinend immer noch, wie einige Kommentare bei Facebook vermuten lassen.
Ein wunderbarer Name für ein Geschäft, in dem es handgefertigte, mit Liebe gebackene Zimtsterne gibt, wie Frau Mauz findet, wobei auch alle anderen Waren dort wirklich vorzüglich sind. Es ist also kein Wunder, dass Frau Mauz und dieses Geschäft über gemeinsame Bekannte zusammenfanden. In Düsseldorf, vor 13 Jahren, auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Heinrich-Heine-Platz und später auch ab und zu in dem kleinen Geschäft in Düsseldorf-Urdenbach.
Tausende von zuckerweisen mandelnussigen Sternchen stanzte die Frau, damals noch ohne Brille, dafür mit professionellem Ausstecher aus dem Teig, buk diese im Ofen hinter sich und verpackte sie später in verschieden große Tüten. 100g, auf Wunsch noch warme Sterne, kosteten 3 Euro, 200g 5,90 Euro. Und dieser Preis wurde bezahlt, weil sie es wirklich wert waren!
Hier die aktuellen Meinungen zu der kleinen Konditorei, die wahrscheinlich nach wie vor nur am Wochenende geöffnet hat: Zimtstern.

3. Dezember:
Husarenkrapfen, Ausstecherle, Bärentatzen, Rosinenbrötchen, `Hundeknochen`, Springerle, Kokosmakronen, Haselnussmakronen, Wein-S und Butter-S. Das sind die Weihnachtsplätzchensorten, an die sich Frau Mauz aus ihrer Kindheit erinnern kann. Gebacken wurden diese von der `Stuttgarter Oma`, die daraus eine echte Warenwissenschaft machte: Es durfte kein Eiweiß oder Eigelb weggeworfen werden und die fertigen Kekse wurden von ihr rationiert, damit diese trotz der zuckerhungrigen Kindermäuler bis Weihnachten reichten – was würde diese Oma wohl zu Thermo-Mix, Fertigteig und All-inclusive-Urlauben sagen?
Vermutlich nichts, denn sie schüttelte auch früher meistens nur entsetzt den Kopf, wenn sie die neusten Nachrichten im Fernsehen verfolgte, ihre Gedanken dazu behielt sie für sich. Dennoch oder vielleicht gerade deshalb lernte Frau Mauz sehr viel von dieser lebenserfahrenen Dame: Beim Backen bleibt keine Zutat übrig, jedenfalls ist das der Plan!
Die Butter-S spielen in dieser Weihnachtsgeschichte eine wichtige Rolle, wobei der Streit rund darum reine Erfindung ist: In_der_Weihnachtsbäckerei .

4. Dezember:
Lange Fahrten kann man sich zur Weihnachtszeit auf eine wunderbare Weise vertreiben: Man suche vor dem Fenster nach geschmückten Tannenbäumen und zähle diese. Wenn man mit mehreren Personen unterwegs ist, kann man daraus sogar einen Wettbewerb machen, wenn jeder nur auf einer Seite zählt.
Früher saß Frau Mauz immer in der Mitte, das heißt, sie konnte sich im Vorfeld für eine Seite entscheiden, auf der sie mitzählen wollte. Meistens wählte sie die linke, da auf der rechten der Bruder saß, mit dem sie regelmäßig in Konkurrenz stand. Warum auch immer, es wäre doch viel sinnvoller gewesen, sich mit ihm zusammen zu tun, oder?

5. Dezember:
Wie verbringen Sie Weihnachten? Wo verbringen Sie Weihnachten? Wer ist bei Ihnen? Was wünschen Sie sich für die Feiertage?
Als Kind sehnt man sich dem Heiligen Abend entgegen. Man zählt die Tage rückwärts und hofft, dass die Zeit schneller vergeht als sonst. Dass währenddessen die Eltern mit Einkaufen, Dekorieren, Planen und Organisieren oft im größten Stress sind, bemerkt man nicht. Einem selbst fallen höchstens noch weitere Wünsche ein, die man dem Weihnachtsmann an den Nordpol schicken könnte – ob die wohl noch bearbeitet werden, wenn man sie in den Briefkasten auf dem Weihnachtsmarkt wirft …?

6. Dezember:
Der Nikolaus füllt in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember die sauber geputzten Kinderstiefel. Normalerweise. Wenn man brav war. Musste der Nikolaus früher bei der Familie Mauz länger bezüglich der braven Kinder recherchieren oder warum kam der gütige Mann in Rot damals immer erst in der Nacht vom 6. auf den 7. Dezember?
Frau Mauz weiß es bis heute nicht. Damals zuckte sie immer ratlos mit den Achseln, wenn der Lehrer die Schüler am 6. Dezember nach deren Schuhinhalt fragte. Alle hatten an diesem Tag jede Menge zu berichten, Frau Mauz hätte am 7. Dezember eine detaillierten Stiefelbericht abliefern können, aber da wollte es keiner mehr wissen …

7. Dezember:
Wisst ihr, wo Frau Mauz am 7.12.2014 war? Nein? Natürlich nicht, woher auch? Aus diesem Grund verrate ich es Ihnen, das heißt, euch: Frau Mauz saß am Rande der Bühne des Lindenkellers in Freising und drückte jede Menge verschiedener Tasten auf der Loop-Station, die dem Mann gehörte, der an diesem Abend sein Solo präsentierte: Herrn Matschke.
Dieser wechselte in seinem Programm `Nusik vor de Maugen` mehrfach die Rollen und Szenen, trug auch ein paar verschiedene Brillen, während Frau Mauz für ihn den Sound machte. Zwischendurch spielte sie eine Zwergen- und eine Tiger-Frau und erzählte zum ersten Mal in ihrem Leben eine ihrer Weihnachtsgeschichten -`Ingas aufgeregtes Herz`- auf einer Bühne …

8. Dezember:
Es gibt tatsächlich Menschen, die im Dezember Geburtstag haben. Warum eigentlich? Das macht doch gar keinen Sinn, oder? Danach bekommt man fast ein ganzes Jahr lang überhaupt nichts mehr geschenkt. Kein Päckchen zum Auspacken, nichts …!
Gut, dass Frau Mauz nicht zu diesen armen Adventskalenderkindern gehört, denn sie liebt es, Geschenke auszupacken und ein Jahr ist wirklich sehr, sehr lang, wenn man die ganze Zeit darauf warten muss!
Den Personen, die heute Geburtstag haben, gratuliert Frau Mauz deshalb huldvoll und besonders herzlich und schickt ihnen auf diesem Weg die besten Wünsche für das nächste Lebensjahr!

9. Dezember:
Wisst ihr, wo es Deutschlands beste Lebkuchen gibt?  Voller Nüsse und Mandeln, mit Glasur, Schokoüberzug oder natur pur? Alle Sorten schmecken so fantastisch, dass man jede mindestens einmal probieren muss: Bei der Bäckerei/ Konditorei Muschler in Freising.
Die Krönung der Backkunst findet man bei dem Biobäcker aus dem Bayerischen Wald auf dem Freisinger Samstagsmarkt. Dort gibt es Elisenlebkuchen mit Vollmilch- oder Zartbitterschokolade. Jedenfalls dann, wenn man früh genug dort ist. Um halb Zwölf findet man höchstens noch ein paar Krümel auf dem Transportblech der wunderbaren Leckereien. Da lohnt sich das Sammeln!

10. Dezember:
2. Advent: Heute begibt sich ein Heilbronner Busunternehmen auf die Fahrt nach Köln, zum Besuch der dortigen Weihnachtsmärkte. Diese Fahrt ist ihr Geld wert, so viel steht für Frau Mauz jetzt schon fest: So viele kunterbunte, vollkommen verschieden gestaltete Weihnachtsmärkte wie in Köln hatte Frau Mauz innerhalb einer Stadt noch nie zuvor gesehen.  Dabei war es vor zwei Jahren purer Zufall, dass sie dort für ein paar Stunden am allerletzten Markttag landete. Schade, denn diese Zeit reichte definitiv nicht aus, um die vielen Stände, Kostüme und Details vor Ort zu entdecken.
Aus diesem Grund wünscht Frau Mauz allen Kölntouristen, die heute in ihrer Kurzzeitheimatstadt hoffentlich trotz des Schnees unbeschadet ankommen, viel Zeit für die Erkundung der vielen menschlichen und dinglichen Unikate.
Hier ein paar Bilder von Köln – leider ohne Weihnachtsmarkt -, zur Feier des zweiten Advents:

11. Dezember:

Ein Teleidoskop ist ein Kinderspielzeug, das man schütteln oder drehen kann, um das Bild zu verändern, das man mit Hilfe des einäugigen Blicks durch die kleine Öffnung am oberen Ende, innen drin als buntes Muster sieht. Ein Teleidoskop ist also dasselbe wie ein Kaleidoskop, jedenfalls meinen das die meisten Menschen, denen man die lange, dünne Röhre mit der durchsichtigen Acrylkugel am unteren Ende in die Hand drückt. Sie schütteln und drehen trotz detaillierter Erläuterung des Instruments in ihrer Hand stur minutenlang. Dass sich das Bild nur dann verändert, wenn sie durch die Öffnung auf verschiedene Oberflächen blicken, verstehen sie nicht. Entweder, weil sie kurzsichtig, schwerhörig oder sehr lernresistent sind.
Vielleicht hätte Frau Mauz des Rätsels Lösung gefunden, wenn sie die Zeit und Muse gehabt hätte, als Teleidoskopverkäuferin auf dem Münchner Weihnachtsmarkt länger danach zu suchen. Vielleicht. Es war aber viel leichter, diesen Menschen ein echtes Kaleidoskop in die Hand zu drücken, das machte meistens alle glücklich …

12. Dezember:
Weihnachten rückt näher, alles duftet nach Zimt, Honig und kandierten Nüssen.
Freuen Sie sich auf das Fest der Liebe? Haben Sie genug Zeit und Ruhe, sich an den Besonderheiten dieser Adventszeit zu erfreuen?
Wie viele Weihnachtsmärkte haben Sie bis jetzt besucht? Wie vielen Menschen, die Sie das ganze Jahr über nicht sehen, haben Sie einen kleinen, warmen Weihnachtsgruß geschickt? Wie viele persönliche Briefe flatterten schon bei Ihnen ins Haus? Freuen Sie sich darüber? Schreiben Sie zurück?
Herzliche Grüße aus Leingarten an alle, die sich darüber freuen von Frau Mauz!

13. Dezember:
Letztes Jahr am Heiligen Abend wanderte Frau Mauz durch die dunklen Gassen Leingartens und Nordheims und trug ihre Weihnachtspost persönlich aus. Ein wenig spät, könnte man man meinen, sie selbst sah dies anders: Sie war erst am 24. Dezember bereit dafür, ihren Liebsten eine Freude zu machen.
Die Kirchenglocken läuteten in der Ferne, alle anderen verbrachten Zeit mit ihren Nächsten und Frau Mauz verteilte Briefe. Sie muss nicht immer den Menschen, die ihr am Herzen liegen nahe sein, um sich ihnen zugehörig zu fühlen. Mal  sehen, wonach ihr dieses Jahr ist …

14. Dezember:
Es gibt eine wunderbare Clownsübung namens `Geschenke verteilen`: Eine Person überreicht einer zweiten ständig neue Geschenke. Es ist dabei vollkommen unwichtig, was in den verschieden großen und schweren Paketen steckt, denn die beschenkte Person hat im Idealfall sowieso keine Zeit, diese auszupacken. Beide Clowns freuen sich über ihre Aufgabe. Das heißt, sie versuchen es. Wann die Stimmung kippt und aus der Freude Stress wird, ist individuell sehr verschieden. Es kann sein, dass die beschenkte Person schon ächzend auf dem Boden liegt, während der Haufen auf ihrem Bauch ständig weiter wächst – eine Situation, die so manch einer aus dem wahren Leben kennen könnte, ebenso wie das umgekehrte Phänomen: Die beschenkte Person will immer noch mehr …

15. Dezember:
In Leingarten gibt es seit einigen Jahren in der Adventszeit einen lebenden Adventskalender. Das heißt, nette, offene Menschen laden Freunde und Fremde zu sich ein, man singt gemeinsam, lauscht den Geschichten, die sich der jeweilige Gastgeber für diesen Tag ausgesucht hat und verbringt auf diese Weise eine paar sehr entspannte Momente miteinander.
Wie entstand der Nürnberger Rauschgoldengel? Wissen Sie es? Wer waren Elisabeth und Zacharias? Was hatten diese beiden Personen mit Maria und Joseph zu tun?
Seit gestern hat sich Frau Mauz‘ Horizont um ein weiteres Stück erweitert und das alles dank des lebenden Adventskalenders … – ein paar Termine gibt es noch, nachzulesen im Leingartener Amtsblatt (letzte Novemberausgabe).

16. Dezember:
Frau Mauz liebte Charles Dickens‘ Weihnachtsgeschichte bereits lange bevor sie Frau Mauz hieß und wusste, von wem die Idee der drei Weihnachtsgeister aus der Vergangenheit, der Gegenwart und der Zukunft ursprünglich stammte.
Das erste Mal begegnete sie ihr in Form der Hollywood-Komödie: `Die Geister, die ich rief` mit Bill Murray in der Rolle des verbitterten Scrooge. Dieser hieß im dem Film natürlich nicht Scrooge, war auch wesentlich jünger als der Mann, der über viele Jahre hinweg im Heilbronner Theater die Griesgramrolle in der Inszenierung eines amerikanischen Gastensembles übernahm – ob dieser wunderbare Schauspieler, der bereits vor 10 Jahren auf Frau Mauz unglaublich alt wirkte, immer noch auf der Bühne steht? Sie hofft es sehr, denn kommenden Freitag darf sie endlich wieder `A christmas carol`im Original erleben. Jippi!

17. Dezember:
Wissen Sie, womit Frau Mauz als Kind die letzten Tage und Stunden vor dem Heiligen Abend verbrachte? Sie starrte immer wieder aus dem Fenster und hoffte auf Schnee. Und das tat sie immer, unabhängig davon, was der Wetterbericht und die Menschen in ihrem Umfeld für den 24. Dezember vorhersagten. Denn: Zu Weihnachten gehört Schnee und wenn dieser nicht kommen will, muss man darum bitten – den Wettergott und den allmächtigen … Und um dieser Bitte Nachdruck zu verleihen, muss man stundenlang `Schneeflöckchen, Weißröckchen` singen oder spielen. Nicht, um seine Mitmenschen damit zu nerven, sondern um irgendwann erhört zu werden.
Zur Feier des dritten Advents, dürfen heute alle mal einen Ausflug in Frau Mauz‘ Schneewelt machen. Dieses Video wurde am 1.12.2017 aufgezeichnet. Wer weiße Weihnachten will, sollte es in den nächsten Tagen gaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaanz oft anhören!

Schneefloeckchen from Sabine Mauz on Vimeo.

18. Dezember:
Wisst ihr, was Frau Mauz‘ Oma früher immer während der Weihnachtsbescherung machte? Nein? Dann erzähle ich es euch jetzt: Sie saß auf einem Stuhl am Rande des Geschehens, beobachtete die Geschenke hungrigen Kinder beim Auspacken und sammelte das Verpackungsmaterial ein, sobald dieses unbeachtet beiseite gelegt wurde.
Die Bänder und Papiere wurden nämlich bei Frau Mauz‘ Oma wiederverwendet und das ging nur dann, wenn diese nicht zerrissen oder zerknüllt wurden. Zunächst einmal wurde alles sortiert und Platz sparend zusammengelegt, ob die Oma das Papier nach dem Heiligen Abend tatsächlich bügelte, um es wieder zu glätten oder ob dies nur ein Gerücht war, weiß Frau Mauz nicht. Wenn, dann geschah dies mit Sicherheit erst im Neuen Jahr, denn zwischen Weihnachten und Silvester wurde weder gewaschen, noch gebügelt.

19. Dezember:
Als Frau Mauz noch klein war und nicht Frau, sondern Sabine hieß, gehörte zu ihrer Familie eine Katze namens Minka. Diese weißgrauschwarzbraun getigerte Katze lebte viele Jahre bei der Familie Mauz und wurde von allen geliebt.
Weil die Familienkatze von allen so sehr geliebt wurde, war sie ziemlich gut genährt. Hätte es damals schon Weihnachtsgebäck für Tiere gegeben, hätte Frau Mauz ihre Eltern auf jeden Fall dazu überredet, Minka damit zu verwöhnen. Welch ein Glück, dass Katzenkekse erst nach ihrem Ableben vermarktet wurde, sonst hätten Frau Mauz und Minka womöglich noch zum Katzenfitnesskurs gehen müssen. So griff Frau Mauz nur ab und zu nach einer langen Schnur und versuchte, Minka dazu zu bewegen, diese zu verfolgen. Je älter die Katze wurde, desto seltener rannte sie hinterher …

20. Dezember:
Oh je, oh je, die Kekse werden knapp, ob die bis Weihnachten reichen werden …
Wen diese Sorge plagt, sollte sich nicht direkt panisch auf Teigschüssel und Backofen stürzen, um erneut zu backen, sondern sich erst einmal im Bekanntenkreis umhören, wie es dort um die Weihnachtsleckereien bestellt ist: Familie Mauz aß letztes Jahr noch bis Ende Januar vom hauseigenen Vorrat, da sich an Weihnachten nicht so viele Mitesser fanden wie erwartet.
Also: Wer noch Kekse braucht, kann sich gerne mal bei Mauzens melden. Von den Finnischen Lebkuchen gibt es auf jeden Fall noch ziemlich viele …

21. Dezember:
Heute verteilt Frau Mauz ihre Weihnachtspost, jedenfalls ist das ihr Plan, ob daraus etwas wird, werden diejenigen sehen, die von Frau Mauz ein Geschenk erhalten. Sei es heute, morgen oder am Heiligen Abend. Natürlich ist Frau Mauz nur die Botin, die dem Nikolaus, dem Weihanchstmann und dem Christkind beim Verteilen der Geschenke hilft, damit diese bis Weihnachten mit dem Schenken fertig werden.
Jeder von uns unterstützt die fleißigen Glücksbringer so gut er kann und Frau Mauz kann heute, jedenfalls laut ihres Terminkalenders. Ob es dabei bleibt, wird sich im Laufe des Tages zeigen … – die Antwort auf diese Frage findet man bei den heutigen Bildern des Tages

22. Dezember:
Ein Großteil der Deutschen essen an Heilig Abend Würstchen und Kartoffelsalat. Wieso eigentlich? Weil das so gut vorzubereiten ist?
Was passiert mit den Resten: stopft man die am darauf folgenden Tag als Füllung in die Weihnachtsgans? Haben Sie das schon einmal probiert? Wäre doch sicher gar nicht so schlecht, oder? Man könnte das Ganze ja vorher noch kurz pürieren und um ein paar Gewürze und Zutaten erweitern, mit Äpfeln und Rosinen und was sonst noch so in eine echte Weihnachtsgans gehört …

23.Dezember:
`Einmal werden wir noch wach, heisa, dann ist Weihnachtstag …`
Die Jahre ziehen ins Land, die Menschen um uns herum verändern sich, wir verändern uns, da ist es doch schön zu wissen, dass manche Dinge immer gleich bleiben: Weihnachten wird jedes Jahr zur selben Zeit gefeiert. Ist das nicht toll?!
Und morgen ist es bei uns so weit, Frau Mauz freut sich, denn der Baum ist geschmückt und ihr Weihnachtsvideo fertig geschnitten. Mal schauen, ob die Frau in Weiß zur Belohnung für ihre Mühen ein Päckchen zum Auspacken bekommt. Wenn nicht, freut sie sich auch, denn es ist Weihnachten, das Fest der Liebe und am Fest der Liebe hat man alle lieb, ganz egal, was davor war und danach sein wird.
Herzliche Grüße, eure Frau Mauz!

24. Dezember:
Über viele Jahre hinweg gab es in der Familie Mauz Raclette an Heilig Abend zu essen. Wer weiß, wie lange dieses gesellige Käseschmelzen dauern kann, wird sicher verstehen, dass die Kinder der Familie die Bescherung gerne davor durchführen wollten. Schlimm genug, dass man vorher singen und der Weihnachtsgeschichte lauschen sollte, oder?
Vielleicht übten wir deshalb die Weihnachtslieder auf Klavier und Flöte so selten, weil dann die Erwachsenen gerne auf unseren künstlerischen Beitrag verzichteten …
Lang, lang ist es her, deshalb gibt es nun noch einen kombinierten Vierten-Advent- und Weihnachtsgruß von eurer Frau Mauz:

Soleila, die Erste und Einzige!

Wie stark uns die Meinung eines einzelnen Wesens beeinflussen kann, zeigt Frau Mauz‘ neustes Menschenmärchen: „Die traurige Geschichte des Königs Hutzelputz“.

Geplant ist, dass diese eines Tages Teil des abendfüllenden Programms wird, aber da bis dahin noch viel Zeit den Neckar/ Rhein/ Main/ Nil … hinunter fließen wird, gibt es nun schon mal ein paar kleine Texthäppchen zum Probieren.

Auszug Nummer Eins stellt Frau Mauz und den armen, hilflosen König Hutzelputz vor:

Der zweite Teil befasst sich mit der Frage, inwiefern es für Sie erstrebenswert sein könnte, mit jemandem wie Frau Mauz die Rolle zu tauschen:

Und im dritten Teil Drei bekommt endlich Soleila, die Erste und Einzige die Form von Beachtung, die ihr zusteht …

Meinungsfreiheit

Kann man Geschichten erzählen, ohne die Leser oder Zuhörer durch die Art und Weise, wie man den Inhalt formuliert und vorträgt, zu manipulieren? Was passiert, wenn man einzelne Teile aus dem ursprünglichen Zusammenhang reißt und anderweitig einsetzt? Woher wissen wir, ob der Erzähler hinter seinen Botschaften steht und sein eigenes Leben entsprechend gestaltet?

All diesen Fragen stellte sich Frau Mauz im Zusammenhang mit ihrer aktuellen Schreibaufgabe: `Frontberichte` lautet das diesjährige Thema des Münchner Kurzgeschichtenwettbewerbs. Wer mehr über die Details wissen will, kann sich hier schlau machen: http://www.zuendeln.de/

Und dann am besten selbst teilnehmen, denn der Wettbewerb läuft noch bis 30. September – zum Glück, denn Frau Mauz hat ganz offensichtlich das Thema noch nicht ganz verstanden, wie diese beiden Videos beweisen:

Nach dem Titelpotpourri aus Frau Mauz‘ ersten zehn Geschichtenversuchen, gibt es nun noch einen bunten Satzsalat aus den jeweiligen Anfängen derselben Texte:

Potpourri bedeutet übrigens wörtlich übersetzt „verfaulter Topf“, wie Frau Mauz von Wikipedia weiß!

Fehler

DSCF4031Ob wir es uns eingestehen oder nicht, aber einen Großteil unserer prägenden Erfahrungen und außergewöhnlichen Fähigkeiten, sammeln die Menschen durch die Fehler, die sie im Laufe ihres Lebens beim Handeln begehen:

Hätte Sabine Mauz nicht vor vielen Jahren den Fehler begangen, auf Grund eines unglaublich inspirierenden Clownskurses ihre damalige Anstellung als Ergotherapeutin zu kündigen, gäbe es weder dieses Blog, die Angebote, die man hier findet oder die vielen verschiedenen Geschichten, die sie als `Frau Mauz` so gerne ihrem Publikum erzählt.

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Es gäbe keine `Frau Mauz`, jedenfalls nicht so, wie man sie heute kennt. Frau Mauz wäre weiterhin eine ernst zu nehmende Ergotherapeutin, die keine Vorstellung davon hat, unter welchen Ängsten ihre psychiatrischen Klienten tatsächlich leiden.
Sie wäre eine von mehreren fest angestellten Mitarbeitern irgendeiner sozialen Einrichtung, die Geld dafür bekommt, dass sie selbstverständliche Ratschläge an ihre Mitmenschen verteilt. Und sie könnte sicher wunderbare Körbe flechten, Tontöpfe formen und lasieren, Taschen nähen …

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Ist es nun gut oder schlecht, dass Sabine Mauz damals kündigte und sich auf einen Weg begab, den sie selbst keinem anderen empfehlen würde?
Aus finanzieller Sicht war es auf jeden Fall die schlechteste Entscheidung, die sie treffen konnte, dennoch bereut sie keinen einzigen Tag davon!

Hier ein Link zu den Fragen, die sich durch Sabine Mauz` damaligen `Fehler` Heute ergeben: Ist-Zustand.

Martha M.- Frau Michalski! (Letzter Teil)

BuntstifteEs ist soweit: Der Abschied von Martha und Martin steht an. Heute gibt es die letzte Szene daraus zu lesen. Hoffentlich nicht mit so vielen Fehlern wie befürchtet, wenn doch, dann werden diese sicher eines Tages noch nachgebessert.
Jetzt erst einmal viel Vergnügen mit dieser Version:

Martin hielt seiner Frau die Hand hin und zog sie vom Stuhl. „Wir schaffen das schon. Wirst sehen, die sechs Stunden sind schnell vorbei!“.
„Ja, ist gut!“, hauchte die Psychologin so schwach und weinerlich wie sie sich gerade fühlte. „Ich hoffe, du hast Recht.“
„Na klar, habe ich doch immer. Jedenfalls behaupte ich das immer. Haha!“, scherzte er fröhlich und spielte damit auf den Beginn ihrer Beziehung an.
Die Psychologin zwang sich zu einem bestätigenden Lächeln und folgte ihm in den Flur, um sich dort die Schuhe anzuziehen.
„Warum mache ich das noch mal, obwohl ich gar nicht mehr auf das Geld angewiesen bin?“, fragte sie genervt und thematisierte damit nun schon gefühlt zum zwanzigsten Mal im Laufe ihrer ersten Arbeitswoche dieselbe grundsätzliche Problematik.
„Weil du die Menschen liebst und ihnen dabei helfen willst, ein glücklicheres Leben zu führen und weil du dich ohne diese Aufgabe ganz schnell langweilen würdest!“
„Ach ja, stimmt. Angeblich ist das so …“ Sie erinnerte sich mit einem Mal wieder an die Zeit bei Susanne, dabei fiel ihr auf, wie weit diese aus ihrem Blickfeld gerutscht war und das, obwohl ihre Mutter bis vor wenigen Monaten noch ihre einzige Bezugsperson gewesen war.
„Ich vermisse sie überhaupt nicht!“, erklärte sie deshalb laut und ergänzte schnell, für ihren ratlos drein blickenden Mann: „Meine Mutter. Ich musste gerade an sie denken, als es um mein Leben ohne erfüllende Aufgabe ging. Es ist mir sogar in der Zwischenzeit vollkommen egal, wie sie ihr trostloses Dasein fristet und wen sie mit ihrer verstaubten Weltanschauung langweilt – oder eben auch nicht.“
„Das höre ich wirklich gern!“, schmunzelte Martin. „Und zwar nicht nur deshalb, weil sie mich nicht leiden konnte, sondern weil das heißt, dass ein Mensch tatsächlich dazu in der Lage ist, sich von seinem krank machenden Umfeld zu lösen, wenn er das will. Das ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Therapie, das gibt mir Kraft, mich heute erneut ans Werk zu machen.“
„Toller Bogen!“ Martha klopfte ihrem Mann gönnerhaft auf die Schulter und trat dann schweigend in den Gang. „Ich hingegen bin froh, wenn dieser Tag vorbei ist!“, seufzte sie etwas verzögert und wünschte sich währenddessen, sie befänden sich schon wieder auf dem Heimweg.

Auf der Arbeit passierte glücklicherweise nicht allzu viel. Beide Psychologen konnten ohne größere Behinderung ihren Aufgaben nachgehen und Martha gelang es sogar, den Großteil ihres Vortrages vorzubereiten. Das war auch gut so, denn der erste Termin dafür sollte bereits am kommenden Mittwoch stattfinden.
Sie hatte diesen so zeitnah wie möglich gelegt, weil ihr klar geworden war, dass sämtliche Teilnehmer dieser Veranstaltung danach noch mit allen Fragebögen ihres Konzepts arbeiten mussten. Sprich: Je später sie mit der Schulung begann, desto länger musste sie in diesem Haus bleiben.
Aus diesem Grund hoffte die Psychologin, dass sich viele Kollegen, trotz der Kurzfristigkeit, für den ersten Termin anmelden würden. Sie hatte diesen extra auf das Ende des Arbeitstages, zwischen 16 und 17 Uhr gelegt, da man dann nicht so viel verschieben musste. Jedenfalls war das ihre ursprüngliche Idee dabei gewesen, ein Anruf des vollkommen unmotivierten Herrn Apfelbäumchens hatte sie schnell eines Besseren belehrt, denn dieser hatte ihr erklärt, wie dämlich diese Tageszeit für interne Vorträge sei, weil da nämlich alle berufstätigen Klienten ins Haus kämen und das seien nun mal die meisten.
„Ja, und Sie sind das auch!“, hatte Martha aufgrund ihrer Müdigkeit genauso desinteressiert erwidert. „Ich kann Ihnen zuliebe aber auch gerne noch einen dritten Termin zur Erläuterung meines Konzepts festlegen. Wie wäre am kommenden Donnerstag um 7 Uhr morgens oder um 19 Uhr abends, da sollte es dann auch ohne den Einwand Ihrer Klienten möglich sein, oder? Oder wissen Sie was: Sie lassen das mit dem Verschieben der Gespräche einfach Ihre wundervolle Sekretärin für Sie klären und dann diskutieren wir, bei unserem Treffen am Mittwoch, wie ich meine Arbeit besser machen kann. Es freut mich auf jeden Fall sehr zu hören, dass Sie schon wieder vollkommen gesund und munter sind, dann kommt Ihnen bei unserer nächsten Verabredung sicher nichts mehr dazwischen …“, hakte sie noch vollkommen ernst nach.
„N-n-nein, sicher nicht!“, war alles, was der arrogante Psychiater daraufhin noch erwidern konnte, dann musste er leider auflegen, weil er etwas ganz Wichtiges zu tun hatte.
Martha selbst hatte sich einen kurzen Moment lang über diesen kleinen, persönlichen Sieg gefreut und sich danach wieder ihren Zetteln zugewandt. Sie hatte tatsächlich endlich damit angefangen, Erklärungen zu den jeweiligen Bögen zu verfassen, die Gründe für ihre vielen Fragen zu erläutern. Sie schilderte Schlüsse, die man aus den verschiedenen Antworten ziehen konnte und notierte diese auf gesonderten Blättern, die sie abtippen und als Handout an die Kollegen verteilen wollte. Und zwar an alle, auch an diejenigen, die bereits die Phase der Selbstreflexion hinter sich hatten. Diese Vorarbeit würde all ihre zukünftigen Gespräche erleichtern, und darum ging es: Um mehr Effizienz bei ihrem Tun!

Am Abend saßen Martha und Martin in einem Thai-Restaurant bei sich um die Ecke, tranken original thailändisches Bier und philosophierten über die Schlüsselübergabe, die am am nächsten Tag um zehn Uhr morgens stattfinden sollte. Die Maklerin hatte leider schon zu viele Freitagstermine vereinbart gehabt, um die kurze Formalität noch in ihren Tagesablauf einzubauen. Da Martin wusste, dass seine Frau sowieso zu müde war, um ihr neues Haus gebührend mit ihm zu feiern, hatte er nicht versucht, sie vom Gegenteil zu überzeugen.

„Wir werden morgen früh dorthin fahren, noch einmal alles genau begutachten und uns danach in den nächstgelegenen Einrichtungsladen begeben, um uns dort ein Bild über die aktuelle Möbelkollektion zu verschaffen. Ich weiß, dass du auf alt und ehrwürdig stehst, aber ein gründlicher Blick auf das Neue schadet doch auch nicht, oder? Wir können uns auch dazu eine Geschichte einfallen lassen, wenn dir das so wichtig ist.
Ich möchte so bald wie möglich in unserem Haus in einem gemütlichen, großen Bett, auf einer rückengerechten Matratze neben dir einschlafen und aufwachen. Und wenn wir schon dort übernachten, wäre es auch gut, wenn wir ein paar Schränke und Schubladen zum Verstauen unserer Kleider und Schuhe hätten.“
Martha schmunzelte verschmitzt, als sie die Ungeduld in Martins Stimme hörte und gab ihm entsprechend gerne Recht. „Gut, wir werden uns dort umsehen und wenn wir etwas Schönes finden, kaufen wir es. Davor solltest du dir allerdings auch noch mal überlegen, was du mit deinen alten Möbeln machen willst. Ich will meine mitnehmen, so viel ist sicher!“
„Gut, dann beauftragen wir morgen früh das Umzugsunternehmen, damit es deine Sachen nächste Woche dorthin liefert. Wir können sie auf Freitag Nachmittag terminieren, dann kannst du am Wochenende anfangen, deine Bücher in die Regale zu räumen.“
„Das klingt wunderbar!“ Die Psychologin spürte, wie ihre müden Lebensgeister von Neuem erwachten. Die Aussicht auf die neue, traumhaft schöne Beschäftigung, gefiel ihr. Es war so viel befriedigender, einer körperlichen, klar definierten Aufgabe nachzugehen, als ständig nur mit dem Kopf irgendwelche halbgaren Pläne zu schmieden und danach stundenlang darüber zu diskutieren.
„Das habe ich selbst in der Hand, wohingegen eine Änderung im menschlichen Verhalten von jedem selbst ausgehen muss“, erklärte sich Martha die neu aufkeimende Energie. Ihr Mann legte den Kopf schief und musterte sie misstrauisch:
„Mal wieder so eine lehrreiche Einlage, mit der ich nichts anfangen kann, meine Liebe. Aber das macht nichts, heute sehe ich dir deine wirren Assoziationsketten nach, du bist müde.“
„Ach, so wirr sind die gar nicht. Ich habe mich lediglich gefragt, wieso mich die Aussicht auf den Umzug und die Arbeit, die damit verbunden ist, nicht noch mehr ermüdet, sondern in aufgeregte Vorfreude versetzt. Und das war meine Erklärung dafür. Gut, oder?“
„Ja, schon, aber …“ Martin kratzte sich am Kopf, dann grinste er auf einmal so breit und voller echter Freude, dass Martha nicht einmal seinem Blick folgen musste, um zu wissen, dass gerade ihr Essen im Anmarsch war.

Die Vorspeise, eine scharfe Hühnersuppe, hatten sie bereits eingenommen, nun kam der sehr ästhetisch angerichtete Basa-Fisch mit exotischen Früchten und Thai-Gemüse an die Reihe. Eine spannende Mischung, auf die sie sich im Vorfeld, bei der Bestellung des Menüs für zwei Personen, schnell geeinigt hatten.
Als die Platte vor ihnen aufgetischt wurde, weiteten sich Marthas Augen ungläubig: „Wow! Ich wusste gar nicht, dass man bei uns um die Ecke so was Feines zu essen bekommt!“
„Wusste ich auch nicht, um ehrlich zu sein. Ich habe vorhin nur kurz im Internet nachgesehen, was von uns aus fußläufig zu erreichen ist und dabei dieses Restaurant entdeckt. Es hatte ganz gute Bewertungen und das sieht ja wirklich sehr lecker aus!“

Das Paar genoss ihr Essen und den entspannten Abend in dem kleinen Restaurant. Sie waren sich sicher, dass sie auch nach ihrem Umzug noch öfters dort vorbeikommen würden, denn einen so guten, original kochenden Asiaten, fand man in Braunschweig sicher kein zweites Mal.
Nach dem feinen Drei-Gänge-Menü spazierten sie Hand in Hand so lange durch die Straßen ihres Noch-Wohnviertels, bis Martha vor Kälte zitterte. Sie erzählte dabei ihrem Mann die Geschichte von der Bekanntschaft mit dem Obdachlosen, die sie bei ihrer ersten Reise an den, für sie damals noch vollkommen fremden Teil Braunschweigs, gemacht hatte. Damals kam sie hier hin, um von Martin die, von ihr geklauten Liebesunterlagen zurückfordern.
Das alles erschien ihr auf einmal unglaublich weit weg, dabei war es gerade mal ein halbes Jahr her.

tuer_tempel„Kaum zu glauben, dass du in der Zwischenzeit mein Mann bist und wir bald in unser eigenes Haus ziehen werden. Für so große Veränderungen brauchen andere Jahre …“
„Und damit wären wir wieder bei deiner Feststellung von vorhin: Die Menschen verändern sich so schnell wie sie selbst es wollen. Du bist eine wache, lebensfrohe Person, deshalb nutzt du jeden feinen Funken Hoffnung als Motivation für ein neues Projekt, dasselbe gilt anscheinend für mich, auch wenn mir das bislang nicht klar war.
Es gibt also keine allgemeingültige Regel: Jeder Mensch bewegt sich so schnell und weit in seinem Leben voran, wie er das will. Währenddessen macht er das, was er am besten kann oder ihm am meisten Freude bereitet. Und jeder entscheidet selbst, um was es sich dabei handelt und ob er außer dem noch etwas anderes lernen und erleben will.“

 

Best friends

So schön kann Freundschaft sein …

Der folgende Text ist Alex gewidmet, der Freundin aus meiner Geschichte – ebenfalls aus „Endlich rund …“ – … und natürlich all den Menschen, die von dem darin beschriebenen ‚Luxus‘ nur träumen können:

14.3.2010

Nacherzählung:

Auf der Fähre

Ich presste meine Augenlider zusammen und versuchte, meine Umgebung auszublenden; ich wollte die wacklige Holzbalkenkostruktion über mir nicht mehr sehen. Wie sollte die bloß halten? Auch die rund fünfzig fremden Menschen hier, in diesem Raum, sollten verschwinden.
Ich holte tief Luft, in der Hoffnung, mich dadurch entspannen zu können, aber mein Körper war auf Flucht eingestellt. Gerne hätte ich dem Drängen meiner Muskeln nachgegeben und wäre weggerannt, aber das ging nicht. Der Geruch nach Maschinenöl und der ratternde Schiffsmotor erinnerten mich daran.
Durch die hauchdünne Matratze unter mir spürte ich die Vibrationen der Maschinen und den leichten Wellengang. Hilfe, wo war ich hier nur gelandet? Wie war ich hier gelandet? Statt der ersehnten Müdigkeit tauchten die Erinnerungen an die letzten paar Stunden wieder auf:

Die lange Busfahrt quer durch Thailand, zusammen mit den drei Australiern und dem motzigen Briten, die gerade neben uns knisternd ihre letzte Tüte Chips verspeisten und mit einem nervtötenden, piependen Ding spielten. Ob die wohl auch was anderes aßen?
Auf der Fahrt hatte ich an einer der vielen einsamen, dunklen Raststätten einen Thaisnack gekauft, weil ich futterneidisch auf sie war. Ich hatte die Packung genommen, die am Schönsten aussah. Gut, vielleicht hätte ich an Hand der Form der Nahrung erahnen können, was mich beim Essen erwarten würde, aber bei uns schmecken die katzenförmigen Lakritz auch nicht nach Katze … – in Thailand hingegen ist die fischförmige Teigtasche tatsächlich mit gepresstem und getrocknetem Thunfisch gefüllt. Lecker! Alex wollte trotz meiner Warnung probieren und verzog angewidert das Gesicht, daraufhin lehnten die anderen unser Angebot ab. Der Fahrer wäre uns am liebsten um den Hals gefallen, als wir ihm die Tüte schenkten. Er bedankte sich mehrfach dafür.
Mir persönlich wäre es ja lieber gewesen, er hätte uns gesagt, wie lange die Fahrt noch dauern würde, aber dafür hätten wir ihm wahrscheinlich ein paar Scheine schenken müssen … Stattdessen machten wir alle paar Minuten Pausen, bis er auf einmal Gas gab und wie ein Irrer über die schmalen, kurvigen Straßen raste. Er hupte ständig, gab Lichtzeichen und bedrängte die anderen Autos. Angeblich waren wir zu spät dran. Als wir in Chumphon angekommen waren, hatten wir dann plötzlich wieder gaaaanz viel Zeit. Wir standen über eine halbe Stunde herum und warteten auf andere Fahrgäste. Da ärgerte ich mich noch und fragte mich, was das sollte. Der Frau mit den Tauchangeboten für Ko Tao hätte ich am liebsten ihre Prospekte um den Kopf geschlagen. Zu ihrem Glück saß ich ganz hinten im Bus!
Zur Beruhigung kauften Alex und ich uns etwas zu essen, als sie weg war: Endlich konnten wir den Klebereis mit Mango probieren, von dem uns schon so oft vorgeschwärmt worden war. Das süße Zeug machte mich so träge, dass ich danach alles nur noch wie durch Watte wahrnahm.

In diesem Zustand erreichten wir um elf Uhr abends die Anlegestelle der Fähre: Wir standen mitten in der Pampa, es gab nur ein paar Laternen, die den Weg zwischen Bus und Wasser beleuchteten. Unser Fahrer drückte uns die Tickets in die Hand und verschwand mitsamt des Busses. Wir hatten also gar keine andere Wahl, trotteten treudoof den anderen hinterher; überquerten einen großen Schutthaufen und mussten danach über eine ca. zwanzig Zentimeter schmale Holzplanke balancieren, die uns zu unserem jetzigen „Schlafgemach“ führte.
Ich war körperlich und mental so müde, dass ich nicht mehr reagieren konnte, also Alex vor mir plötzlich schwankte und beinahe in das dunkle, gluckernde Wasser unter uns fiel. Sie war mit ihrem Rucksack an dem ölverschmierten Ladekran hängen geblieben und konnte sich nur noch torkelnd und dank der rettenden Hand eines anderen an Bord halten …

Ein lauter Knall riss mich aus meinen Gedanken. Das knarzende Geräusch des Ventilators verstummte für einen Moment und wurde zu einem erbärmlichen Quietschen. Ich riss meine Augen auf, um zu sehen, was passiert war: Der Schwenkarm drehte sich noch ein paar Zentimeter weiter, bevor er wieder in der alten Position einrastete und zum gewohnten Ton zurückkehrte. Wütend trat der jähzornige Brite noch zweimal dagegen, bevor er sich geschlagen gab und den Stillstand akzeptierte. Ich kicherte.
Mein Blick fiel auf meinen Körper, den ich aus Ekel vor der verranzten Matratze und zum Schutz vor den hungrigen Moskitos in dem mitgebrachten Bettlaken eingewickelt hatte. Ich sah darin aus wie eine verpuppte Raupe. „Hihihihi“.
Die Alex-Larve neben mir drehte sich zu mir um und schaute mich fragend an. „Was ist?“
Ich lachte immer lauter, bekam kaum noch Luft, Tränen liefen über mein Gesicht. Meine Freundin starrte mich aus weit aufgerissenen Augen an, als wäre ich verrückt geworden. „Was ist so komisch?!“
Mühsam rang ich nach Atem. Als ich das Gefühl hatte, wieder sprechen zu könnn, fragte ich: „Erinnerst du dich an das Beratungsgespräch im Reisebüro?“ – sie schüttelte den Kopf – „Weißt du noch, wie uns die Dame vor den klapprigen, altersschwachen Fähren gewarnt hat und wir großkotzig tönten: ’natürlich sehen wir uns die genau an, bevor wir damit fahren?!‘ – das haben wir ja wirklich gut hinbekommen…!“

 

Endlich rund: „Hermann“

Da seit gestern die überarbeitete Version von Endlich rund … wieder online und für jeden als einsehbar ist, gibt es heute den letzten Auszug daraus.

Wer mehr Interesse an Frau Mauz‚ Vorgeschichte hat, darf sich von nun an wieder alleine durch Sabine Mauz‘ chaotisches Leben von damals kämpfen – Denk-, Schreib- und Formfehler inklusive, versprochen …

14.1.2010

Fingerübung:

Hermann

Hermann öffnete die rechte Schublade seines Eichenschreibtischs, dabei strich er sanft mit seiner faltigen Hand über das dunkle Holz. – So etwas wurde Heutzutage nicht mehr hergestellt. Alles Handarbeit. Er konnte sich noch gut daran erinnern, wie sein Vater abends daran saß und schrieb:

Alles war finster in dem kleinen Arbeitszimmer, ein kleiner Lichtkegel beleuchtete das weiße Papier und den Füller in seiner Hand, aus dem er die feinen Buchstaben zauberte.

Hermann seufzte leise. Lang war es her, dass er dieses Kunstwerk zum Abitur vermacht bekommen hatte. In der Zwischenzeit war er selbst Großvater. Aber weder sein Sohn, noch dessen Kinder interessierten sich für den Schreibtisch. Er hatte sie mehrfach gefragt, ob sie ihn haben wollten, zuletzt vor wenigen Tagen. Damals war ihm bewusst geworden, dass er ihn nicht mit in das Zimmer im Altersheim nehmen konnte.

Seine Familie wollte nichts davon hören: Einen Schreibtisch könnten sie schon gebrauchen, aber nicht so ein schweres, breites Monstrum. Sie zeigten ihm ein neues Modell von IKEA in dem dicken Katalog. Das sei ein tolles Geschenk für den Jüngsten, hieß es.

Hermann fiel wieder ein, weshalb er die Schublade geöffnet hatte: Er wollte das Geld dafür aus seiner persönlichen Kasse holen. Er griff danach. Seine Finger fühlten glatt geschliffenes Holz und ein paar lose Zettel, mehr nicht. Sie tasteten weiter, wanderten nach rechts, tiefer ins Fach hinein, aber er fand nicht, was er suchte. Hermann zog die Schublade ganz auf und schaute nach: Nichts.
Ihm wurde schwindelig. Er musste sich setzen, hielt sich dabei krampfhaft am Schreibtisch fest: Das konnte nicht sein! Er wusste ganz genau, wo sich was befand. Seit Jahren steckte der Umschlag in dem alten Terminkalender von 1996. Er hatte ihn aufbewahrt, als er in Rente ging.

Hermanns Blick wanderte suchend durch den Raum und blieb an einem Umzugskarton hängen, auf einmal sah er die Szene von gestern wieder vor sich:
Sein Sohn saß auf dem Stuhl, auf dem er jetzt saß und half beim Aufräumen, besser gesagt, beim Ausräumen. Er selbst war müde und ruhte sich in dem alten Ohrensessel am anderen Ende des Raumes aus. Er hörte nur mit halben Ohr hin, als Jörg ihn fragte: „Kann das weg?“
Er hielt etwas Blaues in der Hand, Hermann konnte nicht genau erkennen, was es war: „Ist so ein olles Teil, längst abgelaufen. Damit fängst du sowieso nichts mehr an!“
Er hatte ihm geglaubt, war zu müde, um aufzustehen und nachzusehen. Es war in die Altpapierkiste gewandert, die sein Sohn später zum Container gefahren hatte. – Das konnte nicht wahr sein: Fünfzehntausend Euro! Nein, das durfte nicht sein! Ihm wurde schlecht, er sackte in sich zusammen.

Als ihn Jörg kurze Zeit später zum Essen abholen wollte, fand er Hermann brabbelnd und jammernd im Stuhl sitzen. Er verstand nicht, worum es ging. War froh, dass der Vater bald das Zimmer im Wohnheim beziehen konnte.

Endlich rund: „Die Taube“

Sie war schon mal online, als Teil von Frau Mauz‘ Programm. Da dieses hier nun nicht mehr einsehbar ist, gibt es wenigstens wieder die Geschichte aus Sabine Mauz‘ Erstlingswerk: Endlich rund …

April 2010

Die Taube

Mistvieh!“, „Abschaum!“, „Kusch!“, „Igitt!“, „Verschwinde!“ – ich habe viele Namen, die sich in ihrer Abscheulichkeit übertreffen, suchen Sie sich einen aus. Ich höre auf alle.

Es gibt Gerüchte, dass es irgendwann anders war: Besser, schöner. Damals bekamen wir noch Aufgaben von den Menschen und wurden von ihnen geschätzt, aber das ist lange her. Viel zu lange, als dass sich eine von uns daran erinnern könnte, jetzt wollen uns nur noch alle loswerden.

Neulich belauschte ich das Gespräch zweier Menschen. Ich tat so, als wäre ich auf Nahrungssuche, deshalb beachteten sie mich nicht. Ich weiß nicht mehr genau, worum es ging, aber das ist auch nicht wichtig. Das einzige, was für mich dabei zählte war ein Wort, das sie benutzten: Friedenstaube. Seit ich es gehört habe, geht es mir nicht mehr aus dem Kopf. Es klingt wunderschön …

Seit ich fliegen kann, bin ich auf der Suche nach einer Aufgabe. Ich meine, eine richtige, nicht allein die, zu überleben. Diese nimmt zwar viel Zeit in Anspruch, aber erfüllen kann sie mich nicht. Was nützt es zu leben, wenn dieses keinen Sinn macht?! So sehe ich das jedenfalls. Die anderen Tauben, mit denen ich darüber gesprochen habe, schauten mich verständnislos an. Sie waren auf der Jagd nach dem leckersten Imbiss des Tages, weiter reichte ihre Planung nicht.
Wohlgemerkt: Die meisten, nicht alle. Es gab ein paar Ältere unserer Art, die sich meine Überlegungen aufmerksam anhörten. Sie blinkten mit den Augen, gurrten aufgeregt und nickten mit ihren Köpfen. Und ich freute mich, weil ich jemanden gefunden hatte, der mich verstand. Aber es endete immer gleich: Sie wollten von mir die Lösung des Problems. Wenn ich eingestand, dass ich sie nicht kannte, sanken sie in sich zusammen. Das einzige, was sie danach sagten war: „Viel Glück bei der Suche! Komm wieder, wenn du die Antwort kennst.“
Ich versprach es, weil es mir leid tat, sie so gebrochen zu sehen. Es war das einzige, was ich für sie tun konnte.

In den letzten Monaten hatte ich auch bei mir Anzeichen dafür bemerkt, dass ich die Hoffnung verlor. Ich wurde immer lustloser, futterte alles in mich hinein und suchte nur noch halbherzig.
Aber jetzt, da ich von der Friedenstaube gehört habe, verspüre ich neuen Mut. Ich weiß zwar nicht, was genau ihre Aufgabe ist, aber das werde ich herausfinden. Hauptsache, ich habe ein Ziel …

 

Endlich rund: „Wie ein weißes Blatt Papier“

Da Frau Mauz bald auf ihre NRW-Minitournee geht, wird heute hier der vorerst letzte Beitrag für die nächsten zwei Wochen veröffentlicht.

Ursprünglich sollte es eine Weihnachtsfliege werden, in der Hoffnung, dass sich dadurch eine neue, möglichst bezahlte Auftrittsmöglichkeit für Frau Mauz findet, aber Geld ist nicht alles, was zählt. Um genau zu sein, zählt es gar nichts. – Ich wünschte, wir müssten nicht davon leben …

Die folgende Geschichte stammt mal wieder aus dem unfertigen Buchkonzept „Endlich rund …„:

12.2.2010

Kurzgeschichte:

Wie ein weißes Blatt Papier

Mein Herz pochte. Ich schämte mich, weil ich nach Schweiß stank.
Ob er es auch roch? Das hätte den Vorteil, dass er von sich aus verschwinden würde …
Aber nein: Er saß mir strahlend und erwartungsvoll gegenüber. Seine Finger tanzten auf dem Tisch und machten Anstalten, zu meiner Hand zu wandern. Für einen Moment hatte ich das Gefühl, sie wieder auf meiner Haut zu spüren.

Du hast es doch gemacht!“, platzte es aus mir heraus.

Was denn?“ Sein Lächeln wurde verkrampfter.

Du hast dich in mich verliebt!“

Das stimmt doch gar nicht!“ Er schaute auf seine Finger, die nun unruhig auf der Stelle trommelten.

Ach komm schon, ich merk es doch!“

Er schwieg. Dann schaute er auf, direkt in meine Augen. Das versetzte mir einen Stich:
Du hast Recht. Ich habe mich in dich verliebt. Na und? Du bist eine tolle Frau. Warum sollte ich mich nicht in dich verlieben? Gefühle kann man nicht steuern!“

Ich schluckte. Verdammt, woher kam bloß dieser Kloß in meiner Kehle? Ich nippte an meinem Kaffee:
Doch, das kann man, glaub mir! – Du hast dich in eine Idee verliebt, in ein Traumbild von mir, von uns. Das geht nur, wenn man es zulässt.“

Und was ist so schlimm daran? Du magst mich doch auch. Sonst wär das gestern nicht passiert.“

Es würde nicht gut gehen!“

Woher willst du das wissen?“

Weil es immer so läuft.“

Das stimmt doch nicht! Es gibt viele glückliche Paare. Partnerschaften, die ein Leben lang halten. Willst du aus Angst nie wieder eine Beziehung eingehen?“

Ich will zumindest jetzt keine. Nicht, solange ich keine Schutzfolie gefunden habe!“

Wie bitte? Was soll das denn sein?“

Das verstehst du nicht. Es hängt mit meiner Vorstellung von Liebe zusammen.“ Ich malte mit meinen Fingern Kreise auf die Tischdecke.

Dann erklär sie mir, noch einmal gehe ich sowieso nicht!“

Ich lächelte ihn traurig an: „Wart´s ab … : Nachdem Mark und ich getrennt waren fragte ich mich, weshalb es nicht geklappt hatte. Wir waren vernarrt ineinander. So kitschig es klingen mag: Ich konnte mir vorstellen, ihn zu heiraten. Aber irgendwann war aus unserer Liebe ein Machtkampf geworden, ein Ringen um Aufmerksamkeit und Anerkennung.
Das, was am Anfang selbstverständlich war, das Wohl des anderen, wurde von den eigenen Bedürfnissen überdeckt. Ich dachte nur noch an mich selbst, an das was ich wollte und fühlte mich missachtet, wenn er es mir nicht gab. Ihm ging es mit mir wahrscheinlich genauso.
Irgendwann fand ich ein Bild, das unsere Beziehung, aber auch die vieler anderer wiedergibt:
Am Anfang, wenn man sich kennenlernt, beginnt man eine gemeinsame Reise. Alles ist neu und unbelastet, wie ein weißes Blatt Papier. Ihm gefällt an ihr das Lächeln, ihre Art sich zu bewegen, ihr herzliches Wesen. Und sie mag seinen Humor, seine lachenden Augen und die Aufmerksamkeit, die er ihr schenkt.
Sie verlieben sich ineinander, färben das Papier gemeinsam ein, bemalen es mit Blümchen und Herzchen und all den Dingen, die ihnen aneinander gefallen. Weil sie sich kaum kennen und nicht gegenseitig verschrecken wollen, gehen sie ganz vorsichtig miteinander um. Sie stecken das Papier nach jedem Gebrauch in eine Schutzfolie, damit es nicht einreißt oder knickt.
Aber es ist unvermeidlich, dass man die Macken des anderen kennenlernt und es zu Missverständnissen kommt. Der Alltag hält Einzug und irgendwann wird es zu aufwändig, alles immer wieder in die Hülle zu stecken. Es beginnen die ersten kleinen Streitereien: Um die offene Packung Milch, die sie immer wieder in den Kühlschrank stellen muss. Um die Zeit, die er lieber mit Videospielen verbringt, statt mit ihr. Und ihn nerven ihre langweiligen Erzählungen von der Arbeit, die vielen Fragen und dass sie ständig in der Wohnung herumrennt und aufräumt.
Sie beginnen sich einander Vorwürfe zu machen und Dinge zu verschweigen. Sie keifen sich an, aber reden nie über das, was wirklich nicht stimmt. Über das, was sie wirklich gerne von dem anderen hätten.
Das bunte Papier bekommt Knicke und Risse. Man bügelt es immer wieder glatt und klebt kaputte Stellen, aber es bleiben Spuren zurück: Von Jahr zu Jahr werden es mehr Wunden und Vertrauensbrüche. Bis man an den Punkt kommt, wo es nicht mehr weiter geht. Dann steht man vor der Entscheidung: Entweder man reißt das Papier entzwei oder man versucht es mit einem Riesenpflaster zu versiegeln: Trennung oder Heirat. – Ich möchte beides nicht, zumindest nicht aus diesen Gründen.
Ich will einen Weg finden, das Papier dauerhaft zu schützen, aber ich weiß nicht wie. Ich will mich für mich allein und mit meinem Partner zusammen entwickeln. Ich will eine Beziehung, in der wir uns gegenseitig unterstützen und Mut machen. Es kann nicht sein, dass man auf Kosten des anderen Selbstbestätigung gewinnt!“

Ich war fertig, hatte all meinen Ängsten Luft gemacht. Meine Wangen glühten. – Was wollte ich damit erreichen? Wünschte ich mir, dass er ging oder dass er blieb? Wenn ich ehrlich zu mir war wollte ich, dass er mir meine Zweifel nahm. Wollte, dass er mir sagte, dass es zwischen uns nicht so laufen würde, dass das mit uns etwas ganz Besonderes sei …

Das kann ich dir nicht versprechen!“

Was?!“ Mein Herz plumpste auf den Boden.

Dass es bei uns anders wird!“

Ich versuchte meine Enttäuschung zu verstecken und warf energisch meine Haare zurück: „Wusst ich`s doch!“

Trotzdem gehe ich nicht. Wir müssen es probieren. Ich will mit dir kein einzelnes Blatt bemalen, sondern ein Buch füllen. Als ob bei dir eine Seite reichen würde!“

Er lächelte mich an: „Es gibt im Leben keine Sicherheit! Aber was ist eine Geschichte ohne Spannungsbogen?“
Er griff nach meiner Hand und löste meine verkrampften Finger von der Tischdecke, die ich komplett zerknüllt hatte:
Komm schon, sei mutig! Wir machen auf jeder Seite einen Vermerk, der uns daran erinnert, dass es die letzte werden könnte, wenn wir uns nicht anstrengen!“

Er schob meine Finger zwischen seine, dann stand er auf und zog mich zu sich. Widerstrebend folgte ich seiner stummen Aufforderung. Als ich bei ihm war, schlang er seine Arme um mich. Er strich eine Haarsträhne aus meinem Gesicht und raunte mir „lass los!“ ins Ohr.
Ich holte tief Luft, legte meinen Kopf an seine Schulter und auf einmal flossen die Tränen …