Die 2. eintagsfliege: „Sonnenschein“ (Video)

Stimmt!_small‚Auf Regen folgt Sonnenschein …‘, behaupteten viele schlaue Hobbypsychologen in Frau Mauz‘ Vergangenheit immer und immer wieder.
Aus diesem Grund hat sie sich heute noch einmal die eintagsfliege vom letzten Mal vorgeknöpft und so zu Ende erzählt, wie sich das (aus ihrer Sicht!) gehört.
In Gedenken an die vielen armen Menschen, die heute mit den Folgen der Unwetter der vergangenen Stunden kämpfen haben …

 

Sonnenschein from Sabine Mauz on Vimeo.

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Die 170. eintagsfliege: „Der Emmentaler“

FreisingzwergIn dieser eintagsfliege kommt das erste Mal Frau Mauz selbst zu Wort, falls man davon überhaupt reden kann. Man bekommt auf jeden Fall das erste Mal einen Einblick in ihr sehr verwirrendes Innenleben  und erfährt, wieso sie so oft schweigt, wenn es wichtig wäre, sich lautstark zu Wort zu melden.
Vielleicht hilft diese Geschichte ja auch dabei, Frau Mauz ursprüngliches Crowdfundingvideo zu verstehen, bei dem sie ihr Anliegen anscheinend auch mal wieder nicht verständlich genug vortragen konnte …

Der Emmentaler

„Der Emmentaler ist ein Käse wie jeder andere auch, also wieso haben Sie sich ausgerechnet diese Sorte als zukünftiges Zuhause ausgesucht?“, fragte der Journalist die verwirrte Frau Mauz.
Diese schüttelte schweigend den Kopf, lächelte den Mann verwundert an und hob ratlos die Schultern in die Höhe. Wie sollte sie diesem fremden Mann klarmachen, dass die Bine Maus nur ein Produkt ihrer Fantasie war. Der Käse war lediglich ein Symbol, dieses stand für einen Zufluchtsort vor den Ängsten und Sehnsüchten ihrer Kunstfigur.

Bei der Bine Maus handelte es sich um ein Mischwesen, das gerne ein erfolgreiches, angesehenes Mitglied dieser Gesellschaft wäre. Leider schwelte, parallel zu diesem Wunsch, in dem Inneren dieses Fantasietiers ständig die Angst davor, von besagter Gesellschaft verletzt zu werden.
Mäuse lieben Käse, das wusste jedes Kind, deshalb hatte sich Frau Mauz dieses sichere, für ihre Maus schmackhafte Versteck ausgedacht. Und Bienen produzierten Honig, um davon leben zu können, deshalb brauchte die Bine Maus eben auch zuckerhaltige Nahrungsmittel in ihrem Zuhause. Sowohl für ihr seelisches, als auch für ihr körperliches Wohlbefinden …

„Na gut, dazu wollen Sie uns anscheinend nichts sagen“, schloss der Interviewer nach einer längeren Phase des Schweigens. „Aber vielleicht können Sie uns ja erklären, wie Sie auf die Figur ‚Bine Maus‘ gekommen sind. Ich meine, gewisse Parallelen zu Ihrem Namen, Sabine Mauz, sind ja durchaus erkennbar …“
Freisingzwerg_3Nun strahlte Frau Mauz über das ganze Gesicht den fremden Mann an und nickte heftig mit ihrem niedlichen, kleinen Köpfchen. Die Haarpalme, die ganz oben thronte, wippte lustig im Takt dazu, so dass der Reporter ungewollt lachen musste.
„So, so, das heißt also, dass Frau Mauz und Bine Maus ein und dieselbe Person sind?“
Das Lächeln verschwand wieder, Traurigkeit breitete sich in Frau Mauz‘ Körper aus – manchmal glaubte sie, sie sei diese schrecklich nervige, unsichere Begleiterscheinung ihrer Person endlich losgeworden, aber dann kam ein falscher, unbedachter Spruch ihrer Freunde oder Eltern und schon begaben sich ihre flackernden Augen wieder auf die Suche nach einem neuen Versteck: Ab ins Ausland, an die Hand eines, auf den ersten Blick sympathisch wirkenden Menschen, in ein tiefes Loch unter der Erde, … Dann war es auf einmal wieder vollkommen egal, welche Pläne die selbstbewusste Frau Mauz kurz davor für sich und ihr Leben geschmiedet hatte, dann dematerialisierten sich alle Träume in eine andere, für sie unerreichbare Dimension …

Freisingzwerg_2Ein peinlich berührtes Räuspern erklang und ein weißes Taschentuch wanderte in das verschwommene Sichtfeld von Frau Mauz.
„Tut mir leid“, seufzte der Fremde. Ich wollte Sie nicht verletzen, auch wenn ich nicht weiß, wie ich das geschafft habe. Es ist schwierig, sich mit einer Person zu unterhalten, die nicht spricht!“
Frau Mauz schnäuzte sich laut und kräftig in das flauschige Weiß, dann zuckte sie hilflos mit den Schultern. Gerne hätte sie dem Mann erzählt, wie viel Spaß sie daran hatte, Geschichten zu schreiben, diese auf der Bühne zu erzählen und sich auf diese Weise der Welt mitzuteilen. Und noch viel lieber hätte sie ihm einen Kuss auf die Wange gehaucht, weil er sich so viel Zeit für sie genommen hatte, obwohl sie solch eine komplizierte, schwer verständliche Person war. Aber da war sie wieder diese fiese, kleine Bine Maus, die sie immer wieder davon abhielt das zu tun, wonach ihr wirklich war. Diese dumme Angst, die ihr immer wieder einredete, der Mann ihr gegenüber würde sich über sie lustig machen, wenn sie ihm erklärte, wofür der Emmentaler tatsächlich stand: Für einen geheimnisvollen, sehr variablen Eingang in eine schöne, wohlschmeckende Welt. Für ein Zuhause, das sie selbst noch nicht kannte, das so groß war, dass sie darin genügend Platz für sich, ihre Träume und ihre Geschichten hatte. Aber wie sollte sie ihm etwas nahe bringen, das sie selbst noch nicht für sich definiert hatte? Der Emmentaler war lediglich ein Lückenfüller bis zu dem Tag, an dem sie endlich ein passenderes Bild für ihr Leben in freier Sicherheit gefunden hatte …

„Gut, dann gehe ich jetzt wieder, Frau Mauz. Sie können mir ja schreiben, wenn Sie die Antworten auf meine Fragen kennen.“
Der Mann erhob sich von seinem Stuhl und wurde weggespült von einem weiteren Schwall Tränen.

Frau Mauz‘ Crowdfundingvideo from Sabine Mauz on Vimeo.