Fehler

DSCF4031Ob wir es uns eingestehen oder nicht, aber einen Großteil unserer prägenden Erfahrungen und außergewöhnlichen Fähigkeiten, sammeln die Menschen durch die Fehler, die sie im Laufe ihres Lebens beim Handeln begehen:

Hätte Sabine Mauz nicht vor vielen Jahren den Fehler begangen, auf Grund eines unglaublich inspirierenden Clownskurses ihre damalige Anstellung als Ergotherapeutin zu kündigen, gäbe es weder dieses Blog, die Angebote, die man hier findet oder die vielen verschiedenen Geschichten, die sie als `Frau Mauz` so gerne ihrem Publikum erzählt.

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Es gäbe keine `Frau Mauz`, jedenfalls nicht so, wie man sie heute kennt. Frau Mauz wäre weiterhin eine ernst zu nehmende Ergotherapeutin, die keine Vorstellung davon hat, unter welchen Ängsten ihre psychiatrischen Klienten tatsächlich leiden.
Sie wäre eine von mehreren fest angestellten Mitarbeitern irgendeiner sozialen Einrichtung, die Geld dafür bekommt, dass sie selbstverständliche Ratschläge an ihre Mitmenschen verteilt. Und sie könnte sicher wunderbare Körbe flechten, Tontöpfe formen und lasieren, Taschen nähen …

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Ist es nun gut oder schlecht, dass Sabine Mauz damals kündigte und sich auf einen Weg begab, den sie selbst keinem anderen empfehlen würde?
Aus finanzieller Sicht war es auf jeden Fall die schlechteste Entscheidung, die sie treffen konnte, dennoch bereut sie keinen einzigen Tag davon!

Hier ein Link zu den Fragen, die sich durch Sabine Mauz` damaligen `Fehler` Heute ergeben: Ist-Zustand.

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Die 92. eintagsfliege: „Blumenbeetbodenbrettbewacherbörse“

DSCF2391Lang, lang ist es nun schon wieder her, dass Frau Mauz die folgende eintagsfliege im Rahmen des ersten, echten eintagsfliegenprojektes verfasste. Da sie heute zufällig den Aufgabenzettel dafür fand, begab sie sich auf die Suche nach dem Inhalt.
Aus diesem Grund also hier und heute ausgerechnet die 92. eintagsfliege, minimal überarbeitet:

Blumenbeetbodenbrettbewacherbörse

Wow, das ist wirklich ein tolles Wort, aber was soll das sein: Eine Blumenbeetbodenbrettbewacherbörse?“, überlegte Sarah laut, als wäre außer ihr jemand im Raum. Sie hatte den Begriff gerade im Radio gehört, verpackt in eine Rätselaufgabe, die es zu lösen galt.
Blumenbeetbodenbrettbewacherbörse“, wiederholte sie und notierte währenddessen den Begriff auf einem Zettel, den sie vor sich auf dem Küchentisch fand – manchmal hatte Chaos auch Vorteile: Da, wo andere nun aufstehen und zu einer bestimmten Schublade eilen mussten, fand Sarah das, was sie gerade brauchte in ihrem unmittelbaren Umfeld. Natürlich nur Zuhause, denn auf der Arbeit war es wichtig, Ordnung zu halten. Da sorgten bereits die wirren Gedanken der psychisch instabilen Besucher für genügend Unruhe im Raum und im Geist der Mitmenschen.

Blumenbeet weiß ich ja noch, was das ist, das ist einfach: Das ist der Ort, wo mein Vater und andere Hobbygärtner Salat, Tomaten, Zucchini und so weiter anbauen. Bodenbrett – hm, das sind dann wohl die Holzplanken, die im unteren Bereich des Kastens dafür sorgen, dass sich die sorgfältig gemischte, nährstoffreiche Beeterde nicht mit der des normalen Gartens mischt. Außerdem verhindern die Bodenbretter, dass fiese, freche Nagetiere oder klebrige, Schleim triefende Schnecken die Pflanzen beschädigen. –
Bewacherbörse“ … – das war wohl ein Kunstwort, denn wo gab es bitteschön eine Möglichkeit, Bewacher für Blumenbeetbodenbretter zu erstehen? Die Aktienbörse war Sarah ein Begriff, aber eine Bewacherbörse? Das war sicher nur ein künstlich forcierter Lacher für die Zuhörer, oder?
Sie hatte nicht gelacht, nur erstaunt den Kopf geschüttelt und sich anschließend zehn Minuten lang gefragt, was genau das Wort bedeuten sollte, aber damit war jetzt Schluss! Sie würde nun wieder …- ja, was würde sie denn nun tun? Wenn sie wirklich eine Idee hätte, was sie nun tun könnte, hätte sie sich sicher nicht so lange mit dem Begriff Blumenbeetbodenbrettbewacherbörse befasst. Das war übrigens ein hervorragender Zungenbrecher – man hätte besser das fehlerfreie Aussprechen dieses Fantasiegebildes zur Zuschaueraufgabe machen sollen, statt es für ein unlösbares Galgenmännchenspiel zu benutzen.

Doofer Sender!“, fauchte die Zweiunddreißigjärhige und schaltete das Radio wieder aus. Die nervige Geräuschkulisse hatte sie sowieso nur deshalb in Kauf genommen, weil sie ihre innere Leere durch Zuhören füllen wollte.
Normalerweise las sie in solchen Momenten, aber da sich diese in letzter Zeit immer öfters ergaben und sie schon lange kein gutes Buch mehr gefunden hatte, war es ihr nun einfach nur noch langweilig. Urlaub ohne die Aussicht auf eine Reise, und sei es nur ein Besuch bei den Eltern, war wirklich fade. Aber was sollte sie dort schon wieder? Sarah war erst vor wenigen Wochen anlässlich des vierzigsten Geburtstags ihres ältesten Bruders Kevin in der alten Heimat gewesen. Irgendwie reichte ihr dieses eine, äußerst diskussionsreiche Wochenende mit den Eltern und der desinteressierten Restverwandtschaft für die nächsten paar Monate …
Sarah gähnte: Sie könnte einfach noch mal unter die Bettdecke kriechen und zwei weitere Stunden schlafen. Verdient hätte sie es und wieso sollte sie in ihren Ferien zur selben Zeit aufstehen wie dann, wenn sie arbeitete?
Ich könnte aber auch ins Fitnessstudio gehen und trainieren, da ist um acht Uhr morgens sicher kaum was los …
Dummerweise begannen die Kurse erst um Zehn, also was sollte sie jetzt schon dort? Ihre Finger trommelten auf den Tisch: Ich könnte auch dem netten Mann von gestern Abend eine Kurznachricht schicken und ihn fragen, ob er heute Zeit hat, sich mit mir zu treffen …

Sarah hatte sich am Tag zuvor das erste Mal in ihrem Leben alleine ins Theater gewagt. Dort war sie dann direkt mit dem, etwas älteren Herrn auf dem Sitzplatz neben ihr ins Gespräch gekommen. Dieser war nett, sehr charmant, kulturinteressiert, … und ebenfalls alleine dort. Sie hatte ihm ihre Handynummer nicht geben wollen, als er danach fragte, dafür hatte sie seine Visitenkarte erhalten. Da könnte sie nun doch … – So ein Schwachsinn!, schalt sie sich selbst, sie musste sich zusammenreißen: Erst hatte sie dieses dämliche Bild für eine Freundin gemalt, die sich schon lange nicht mehr für Sarah interessierte, um die leere Urlaubszeit irgendwie zu füllen und nun wollte sie auch noch ein Date mit einem Mann vereinbaren, der nichts mit ihr gemeinsam hatte außer die Einsamkeit.
So ein Mist: Ich sollte besser in die Bücherei gehen und mir einen Ratgeber über das Verfassen von Kurzgeschichten und Büchern besorgen, aber die öffnet erst in zwei Stunden … Sie gähnte erneut.
Gut, dann gehe ich jetzt eben doch noch mal ins Bett!“, beschloss sie und verließ ihren einsamen Sitzplatz am Küchentisch. „Vielleicht können mich ja meine Träume besser unterhalten, als mein graues, trostloses Alltagsleben!“