Dolomiti Superski

Ihr lieben, süßen, mauzigen Fans …

Es gibt momentan keine neuen Videoaufnahmen oder – schnitte von Eurer Lieblingsgeschichtenerzählerin. Dafür ein altes, mit einer alten Beziehungsgeschichte, passend zur aktuellen Jahreszeit, aufgezeichnet in Frau Mauz‘ Kurzzeitheimat Köln, verschönert mit persönlichen Urlaubsbildern aus dem Skiurlaub 2010 – ratet mal, wo Frau Mauz damals war  …

 

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Geschenke – zweiter Teil

Nach dem letzten Video rund um das Thema Geschenke gab es einen netten Kommentar aus Sabine Mauz‘ Bekanntenkreis: Sie solle sich einen reichen Mann suchen, der sie gerne beschenke … – toller Plan, leider muss der Mann auch noch ein paar andere Kriterien erfüllen, denn Geld alleine macht ja bekanntlich nicht glücklich. Und wie war das noch mal mit der einzig wahren Liebe? Es gibt Träumer, die glauben noch an so etwas …

Das heutige Video veranschaulicht, dass für Sabine Mauz ein Geschenk immer an die Person gekoppelt ist, von der sie es erhält. Und zwar so stark, dass sie voller Überzeugung behauptet, der darin gezeigte Fächer sei ein Geschenk gewesen, dabei sah das echte Fächergeschenk so aus:

Diese Tatsache ändert nichts an Sabine Mauz‘ Aussage zu der schenkenden Person.
Dass es sich dabei um ein privates Urteil handelt, weiß jeder, der mit der Kunstfigur Frau Mauz schon zu tun hatte, denn diese würde so etwas niemals sagen oder auch nur denken!

Geschenke – zweiter_Teil from Sabine Mauz on Vimeo.

kaputt …

kati_5„kaputt“ – so lautete das diesjährige Thema des 21. Münchner Kurzgeschichtenwettbewerbs.
Da Sabine Mauz‘ Beitrag bereits aussortiert wurde, kann ihn nun hier jeder lesen, der Spaß daran hat, dem Monolog eines kaputten Menschen rund um sein kaputtes Leben beizuwohnen …

Da der Text sehr lang ist, gibt es ihn nur in Form eines .pdf-Dokuments: Am_Ende ist alles gut!

Hier der Anfang zum Reinlesen:

Am Ende ist alles gut!

Mein Leben ist im Eimer. Mehr als das: Mein Leben hat es nicht verdient, überhaupt noch als solches bezeichnet zu werden! Ich frage mich, ob es an der Zeit ist, es zu beenden.
Damit würde ich nicht nur mir, sondern auch meinem Umfeld einen gewaltigen Gefallen tun: Ich gäbe meiner Familie die Chance, neu anzufangen und mir selbst müsste ich nie wieder einreden, einer sinnvollen Aufgabe nachzugehen.

Was ich mache?

Ich bin Berater. Sprich: ich gebe Menschen mit viel Geld für viel Geld jede Menge gute Tipps, wie sie anderen Menschen mit wenig Geld und vielen guten Ideen diese entlocken, ohne dafür auch nur einen müden Cent zahlen zu müssen.
Ich kenne alle Schwachstellen dieser blauäugigen Tagträumer, die sich selbst, in einem Anflug völliger Selbstüberschätzung, als Lebenskünstler bezeichnen. Ich weiß genau, wie ich sie behandeln muss, um von ihnen das zu bekommen, was ich brauche.

Ja, was meine Künstlerkenntnis angeht, so kann ich diese ziel- und zweckgerichteter einsetzen als besagte Künstler ihre sogenannte Kunst. Kein Wunder, schließlich zählt sich auch mein kleiner, nerviger Bruder voller Stolz zu dieser vollkommen weltfremden Menschengattung.

Für mich kaum vorstellbar und noch weniger nachvollziehbar, aber es gibt tatsächlich Personen, die darunter leiden, nichts zu tun zu haben. Wenn ihnen langweilig ist, malen sie hässliche, bunte Bildchen, drehen minderwertige Filmchen oder erzählen inhaltslose Geschichten, die keiner hören will. Das alles machen sie, ohne irgendetwas dafür zu bekommen, weil es ihnen Spaß macht. – Spaß, als ob es im Leben darum gehen würde!

Mal ehrlich: Diese Menschen könnten ihre überschüssige Zeit und Energie so viel besser nutzen: Sie könnten sich mit den technischen Errungenschaften unserer Gesellschaft auseinander setzen und diese noch weiter perfektionieren – Autos, Smartphones, Tablets, Ebooks, … Mein Zimmer ist voll damit, schließlich muss ich als Berater immer auf dem neusten Stand sein.
Ich muss wissen, was es auf dem Markt gibt und wozu es gut ist. Dass es gut ist, können Sie mir glauben:

Erinnern Sie sich noch an das erste Mobiltelefon? An diesen riesigen, überdimensionierten Knochen, vor dessen Gebrauch man jedes Mal die Antenne ausziehen musste? Oder an die alten Autoradios? Gott, was habe ich es gehasst, wenn ich nach dem letzten Waschgang meines Wagens das Radio anstellen wollte und nur Rauschen zu hören war! Man musste anhalten, aussteigen, den langen, viel zu empfindlichen Empfänger ausziehen, nur um dann beim Weiterfahren festzustellen, dass es immer noch rauschte. Zum Kotzen, das sag ich Ihnen!
Wie viel besser haben wir es jetzt, dank dieser vielen wundervollen, einfach anzuwendenden Erfindungen. Ach, wie ich es liebe, wenn man ein Gerät einschaltet und sofort alles funktioniert!

Leider gibt es nach wie vor Menschen, vorzugsweise solche, die der Generation meiner Eltern angehören, die diesen unbeschreiblichen Komfort nicht zu schätzen wissen. Sie sind zu dumm dafür, den Nutzen der neuen Produkte zu erkennen. Ja, wirklich: zu dumm!
Nehmen wir nur mal meine Mutter: Immer wenn ich bei ihr zu Gast bin, fragt sie mich total gelangweilt, was für ein neues `Spielzeug` ich denn dieses Mal dabei habe. Sie bewundert in ihrem typischen, nichtssagendem Ton das Aussehen des `Dingsda`s, seine `schön schimmernde Verpackung` und fragt mich dann, mit der Hand vor dem Mund, um ihr Gähnen zu kaschieren, nach dem `Sinn des Ganzen`.
In der Zwischenzeit überreiche ich ihr das aktuelle Objekt ihres absoluten Desinteresses einfach nur noch kommentarlos und lasse sie damit allein. Soll sie doch selbst herausfinden, wozu `das Ganze` gut ist. Ich bin es leid, ihre schwachsinnigen Fragen zu einem hochmodernen Gerät zu beantworten, das für sie immer nur ein `Spielzeug` bleiben wird:
`Aha, das ist also ein Smartphone, soso. Und was ist so toll daran? Muss man da wirklich nur drüber wischen, wenn man mit jemandem telefonieren will? Und mit der Taste da, kann ich wirklich mit einem Schlag allen Menschen aus deinem Telefonbuch schreiben? Und was passiert, wenn ich den Bildschirm putzen will und aus Versehen damit eine Nachricht verschicke? Uuups, jetzt ist mir das doch tatsächlich passiert. Na ja, ist ja nicht so schlimm, ich habe nur deinem Bruder Klaus ein paar sinnlose Buchstabenfolgen geschickt …‘

 

flaschenmaennchenLetztes Jahr lautete das Thema: „Grenzgänge/ Grenzgänger“.
Sabine Mauz‘ Beitrag kam unter die ersten hundert. Vielleicht hätte sie ihn dieses Jahr einfach noch einmal einreichen sollen, denn er hätte auch sehr gut zu der kaputt-Thematik gepasst. Man hätte nur das Ende etwas ändern müssen …

Hier das .pdf-Dokument: Der_Schaumkronenkönig

Und hier der Anfang für alle:

Der Schaumkronenkönig

Es gibt Momente im Leben jedes Menschen, da bewegt es sich. Egal, ob man das will oder nicht: Man muss von der Stelle weg, an der man sich gerade befindet. Und dann geht es weiter. Egal, wohin, Hauptsache, weiter

Tom Sailer starrte in das halbvolle Bierglas vor seiner Nase und hoffte, dass es ihm bestätigend zunicken würde, stattdessen platzte eine weitere kleine Luftblase der kaum noch vorhandenen Schaumkrone.
Wieso heißt du eigentlich Schaumkrone?“, fragte der angetrunkene Mann, während er fasziniert das Innenleben seines besten Freundes studierte.
Macht das Sinn? Wer hat sich diesen Namen ausgedacht? Wer hat bestimmt, dass du von nun an so genannt wirst? Wieso kann man nicht Schwibdidapp oder Nuffdipuffi zu dir sagen …?“

Tom trug unglaublich viele ungelöste Rätsel mit sich herum, die ihn schon so lange quälten und für die er einfach keine zufriedenstellenden Lösungen fand. Zugegebenermaßen war seine Suche danach ähnlich aktiv wie die nach einer erfüllenden Lebensaufgabe, aber was machte das schon: eines Tages würden ihm alle Antworten zufliegen. Wenn er dafür bereit war

Weißt du, ich halte nichts davon, dem Dasein meine Ziele aufzuzwingen“, erklärte Tom nun wieder seinem goldgelben, luftlosen Gegenüber.
Ich meine, du zwingst mich ja auch nicht dazu, dich zu trinken und trotzdem mache ich es. Und genauso wird das Leben irgendwann auf mich zukommen und mir die Antworten schenken, nach denen ich mich sehne. Was das angeht, bin ich mir ganz sicher Echt!“
Tom rülpste laut und ausgiebig. Der Geschmack unzähliger Gläser Bier und Schnaps, mischte sich mit dem des Nikotins selbst gedrehter Zigaretten und der Salzfettmischung eines Spießbratenbrötchens, das er kurz nach seinem Feierabend gegessen hatte.
Weißt du, es gibt nicht viele Freunde, auf die man sich verlassen kann, die immer und in jeder Lebenslage für einen da sind. Du bist wirklich eine unglaublich treue Seele !“

Ach Tom, willst du für heute nicht Schluss machen und nach Hause gehen?“
Stefan Siegler, der Chef von Toms Stammkneipe: „Zum Fässchen“, stand nun direkt vor ihm, hinter dem Tresen, und musterte seinen besten Kunden kritisch.
Du weißt ja, dass ich von Menschen wie dir lebe, aber wenn du noch länger mit dem Bierglas vor dir sprichst, bist du bald mein einziger Gast, weil dann nämlich alle anderen einen großen Bogen um dich und damit auch um mein Lokal machen. So viel kannst selbst du nicht trinken …“
Der Wirt befeuchtete die trockenen, rissigen Lippen mit seiner rauen Zunge.
Ich weiß, wie das ist, wenn der Alkohol dein einziger Freund ist. Was meinst du, wie ich damals zu dem Laden hier kam, aber du versaust dir deine Zukunft damit …“
Tom schüttelte energisch den Kopf: „Du hasst mir gar nichz zu sagen, weißst du das?“, antwortete er, nun auf einmal lallend.
Du bisst doch auch nur einer von diesn dummn Moralap-p-p-posteln. Ss-so wie mmmei-ne Mutter! Dabei s-s-sitze ich doch wegen dieser blöööden Kuh überhaupt nur hier: Hätte sie mir nich immer eingeredet, dass ich an den lieben Gott glauben muss, dann w-w-wäre ich längst-t wo anders. Dann h-h-h-hätte ich nicht die ganze Zeit auf irgendwelche nichtssagenden Zeichen gewartet!“
Der Feierabendphilosoph sprang schwungvoll von seinem Barhocker, hielt sich schwankend an dem kalten, klebrigen Tresen fest und reckte dem Barkeeper stolz sein Glas entgegen:
Ich bin dein bester Kunde! Also behandle mich gefälligst wie ein K-k-könig und gib mir meine Schaumkrone zurück!“
Stefan verdrehte genervt die Augen, nahm das halbvolle Gefäß widerwillig entgegen und ging damit zum Zapfhahn. Dort erneuerte er lustlos die weißen Bläschen an der Oberfläche des abgestandenen Bieres.
Das schmeckt doch nicht mehr! Weißt du, wie oft ich dir heute schon was da drauf gegossen habe?!“
Der Wirt konnte es einfach nicht lassen, seinen Gast mit dessen Situation zu konfrontieren. Es ging nicht, so sehr er sich über seine Einmischung ärgerte
:
Weißt du, mir hat damals mein bester Kumpel die Freundschaft gekündigt, als ich partout nicht mit dem Trinken aufhören wollte. Meine Frau war zu dem Zeitpunkt schon längst weg. Sie war gegangen, ohne dass ich es überhaupt mitbekommen hatte. Aber als Severin dann auf einmal auch noch verschwand, wurde ich wieder wach.“ …

 

Martha M.- Frau Michalski! (Letzter Teil)

BuntstifteEs ist soweit: Der Abschied von Martha und Martin steht an. Heute gibt es die letzte Szene daraus zu lesen. Hoffentlich nicht mit so vielen Fehlern wie befürchtet, wenn doch, dann werden diese sicher eines Tages noch nachgebessert.
Jetzt erst einmal viel Vergnügen mit dieser Version:

Martin hielt seiner Frau die Hand hin und zog sie vom Stuhl. „Wir schaffen das schon. Wirst sehen, die sechs Stunden sind schnell vorbei!“.
„Ja, ist gut!“, hauchte die Psychologin so schwach und weinerlich wie sie sich gerade fühlte. „Ich hoffe, du hast Recht.“
„Na klar, habe ich doch immer. Jedenfalls behaupte ich das immer. Haha!“, scherzte er fröhlich und spielte damit auf den Beginn ihrer Beziehung an.
Die Psychologin zwang sich zu einem bestätigenden Lächeln und folgte ihm in den Flur, um sich dort die Schuhe anzuziehen.
„Warum mache ich das noch mal, obwohl ich gar nicht mehr auf das Geld angewiesen bin?“, fragte sie genervt und thematisierte damit nun schon gefühlt zum zwanzigsten Mal im Laufe ihrer ersten Arbeitswoche dieselbe grundsätzliche Problematik.
„Weil du die Menschen liebst und ihnen dabei helfen willst, ein glücklicheres Leben zu führen und weil du dich ohne diese Aufgabe ganz schnell langweilen würdest!“
„Ach ja, stimmt. Angeblich ist das so …“ Sie erinnerte sich mit einem Mal wieder an die Zeit bei Susanne, dabei fiel ihr auf, wie weit diese aus ihrem Blickfeld gerutscht war und das, obwohl ihre Mutter bis vor wenigen Monaten noch ihre einzige Bezugsperson gewesen war.
„Ich vermisse sie überhaupt nicht!“, erklärte sie deshalb laut und ergänzte schnell, für ihren ratlos drein blickenden Mann: „Meine Mutter. Ich musste gerade an sie denken, als es um mein Leben ohne erfüllende Aufgabe ging. Es ist mir sogar in der Zwischenzeit vollkommen egal, wie sie ihr trostloses Dasein fristet und wen sie mit ihrer verstaubten Weltanschauung langweilt – oder eben auch nicht.“
„Das höre ich wirklich gern!“, schmunzelte Martin. „Und zwar nicht nur deshalb, weil sie mich nicht leiden konnte, sondern weil das heißt, dass ein Mensch tatsächlich dazu in der Lage ist, sich von seinem krank machenden Umfeld zu lösen, wenn er das will. Das ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Therapie, das gibt mir Kraft, mich heute erneut ans Werk zu machen.“
„Toller Bogen!“ Martha klopfte ihrem Mann gönnerhaft auf die Schulter und trat dann schweigend in den Gang. „Ich hingegen bin froh, wenn dieser Tag vorbei ist!“, seufzte sie etwas verzögert und wünschte sich währenddessen, sie befänden sich schon wieder auf dem Heimweg.

Auf der Arbeit passierte glücklicherweise nicht allzu viel. Beide Psychologen konnten ohne größere Behinderung ihren Aufgaben nachgehen und Martha gelang es sogar, den Großteil ihres Vortrages vorzubereiten. Das war auch gut so, denn der erste Termin dafür sollte bereits am kommenden Mittwoch stattfinden.
Sie hatte diesen so zeitnah wie möglich gelegt, weil ihr klar geworden war, dass sämtliche Teilnehmer dieser Veranstaltung danach noch mit allen Fragebögen ihres Konzepts arbeiten mussten. Sprich: Je später sie mit der Schulung begann, desto länger musste sie in diesem Haus bleiben.
Aus diesem Grund hoffte die Psychologin, dass sich viele Kollegen, trotz der Kurzfristigkeit, für den ersten Termin anmelden würden. Sie hatte diesen extra auf das Ende des Arbeitstages, zwischen 16 und 17 Uhr gelegt, da man dann nicht so viel verschieben musste. Jedenfalls war das ihre ursprüngliche Idee dabei gewesen, ein Anruf des vollkommen unmotivierten Herrn Apfelbäumchens hatte sie schnell eines Besseren belehrt, denn dieser hatte ihr erklärt, wie dämlich diese Tageszeit für interne Vorträge sei, weil da nämlich alle berufstätigen Klienten ins Haus kämen und das seien nun mal die meisten.
„Ja, und Sie sind das auch!“, hatte Martha aufgrund ihrer Müdigkeit genauso desinteressiert erwidert. „Ich kann Ihnen zuliebe aber auch gerne noch einen dritten Termin zur Erläuterung meines Konzepts festlegen. Wie wäre am kommenden Donnerstag um 7 Uhr morgens oder um 19 Uhr abends, da sollte es dann auch ohne den Einwand Ihrer Klienten möglich sein, oder? Oder wissen Sie was: Sie lassen das mit dem Verschieben der Gespräche einfach Ihre wundervolle Sekretärin für Sie klären und dann diskutieren wir, bei unserem Treffen am Mittwoch, wie ich meine Arbeit besser machen kann. Es freut mich auf jeden Fall sehr zu hören, dass Sie schon wieder vollkommen gesund und munter sind, dann kommt Ihnen bei unserer nächsten Verabredung sicher nichts mehr dazwischen …“, hakte sie noch vollkommen ernst nach.
„N-n-nein, sicher nicht!“, war alles, was der arrogante Psychiater daraufhin noch erwidern konnte, dann musste er leider auflegen, weil er etwas ganz Wichtiges zu tun hatte.
Martha selbst hatte sich einen kurzen Moment lang über diesen kleinen, persönlichen Sieg gefreut und sich danach wieder ihren Zetteln zugewandt. Sie hatte tatsächlich endlich damit angefangen, Erklärungen zu den jeweiligen Bögen zu verfassen, die Gründe für ihre vielen Fragen zu erläutern. Sie schilderte Schlüsse, die man aus den verschiedenen Antworten ziehen konnte und notierte diese auf gesonderten Blättern, die sie abtippen und als Handout an die Kollegen verteilen wollte. Und zwar an alle, auch an diejenigen, die bereits die Phase der Selbstreflexion hinter sich hatten. Diese Vorarbeit würde all ihre zukünftigen Gespräche erleichtern, und darum ging es: Um mehr Effizienz bei ihrem Tun!

Am Abend saßen Martha und Martin in einem Thai-Restaurant bei sich um die Ecke, tranken original thailändisches Bier und philosophierten über die Schlüsselübergabe, die am am nächsten Tag um zehn Uhr morgens stattfinden sollte. Die Maklerin hatte leider schon zu viele Freitagstermine vereinbart gehabt, um die kurze Formalität noch in ihren Tagesablauf einzubauen. Da Martin wusste, dass seine Frau sowieso zu müde war, um ihr neues Haus gebührend mit ihm zu feiern, hatte er nicht versucht, sie vom Gegenteil zu überzeugen.

„Wir werden morgen früh dorthin fahren, noch einmal alles genau begutachten und uns danach in den nächstgelegenen Einrichtungsladen begeben, um uns dort ein Bild über die aktuelle Möbelkollektion zu verschaffen. Ich weiß, dass du auf alt und ehrwürdig stehst, aber ein gründlicher Blick auf das Neue schadet doch auch nicht, oder? Wir können uns auch dazu eine Geschichte einfallen lassen, wenn dir das so wichtig ist.
Ich möchte so bald wie möglich in unserem Haus in einem gemütlichen, großen Bett, auf einer rückengerechten Matratze neben dir einschlafen und aufwachen. Und wenn wir schon dort übernachten, wäre es auch gut, wenn wir ein paar Schränke und Schubladen zum Verstauen unserer Kleider und Schuhe hätten.“
Martha schmunzelte verschmitzt, als sie die Ungeduld in Martins Stimme hörte und gab ihm entsprechend gerne Recht. „Gut, wir werden uns dort umsehen und wenn wir etwas Schönes finden, kaufen wir es. Davor solltest du dir allerdings auch noch mal überlegen, was du mit deinen alten Möbeln machen willst. Ich will meine mitnehmen, so viel ist sicher!“
„Gut, dann beauftragen wir morgen früh das Umzugsunternehmen, damit es deine Sachen nächste Woche dorthin liefert. Wir können sie auf Freitag Nachmittag terminieren, dann kannst du am Wochenende anfangen, deine Bücher in die Regale zu räumen.“
„Das klingt wunderbar!“ Die Psychologin spürte, wie ihre müden Lebensgeister von Neuem erwachten. Die Aussicht auf die neue, traumhaft schöne Beschäftigung, gefiel ihr. Es war so viel befriedigender, einer körperlichen, klar definierten Aufgabe nachzugehen, als ständig nur mit dem Kopf irgendwelche halbgaren Pläne zu schmieden und danach stundenlang darüber zu diskutieren.
„Das habe ich selbst in der Hand, wohingegen eine Änderung im menschlichen Verhalten von jedem selbst ausgehen muss“, erklärte sich Martha die neu aufkeimende Energie. Ihr Mann legte den Kopf schief und musterte sie misstrauisch:
„Mal wieder so eine lehrreiche Einlage, mit der ich nichts anfangen kann, meine Liebe. Aber das macht nichts, heute sehe ich dir deine wirren Assoziationsketten nach, du bist müde.“
„Ach, so wirr sind die gar nicht. Ich habe mich lediglich gefragt, wieso mich die Aussicht auf den Umzug und die Arbeit, die damit verbunden ist, nicht noch mehr ermüdet, sondern in aufgeregte Vorfreude versetzt. Und das war meine Erklärung dafür. Gut, oder?“
„Ja, schon, aber …“ Martin kratzte sich am Kopf, dann grinste er auf einmal so breit und voller echter Freude, dass Martha nicht einmal seinem Blick folgen musste, um zu wissen, dass gerade ihr Essen im Anmarsch war.

Die Vorspeise, eine scharfe Hühnersuppe, hatten sie bereits eingenommen, nun kam der sehr ästhetisch angerichtete Basa-Fisch mit exotischen Früchten und Thai-Gemüse an die Reihe. Eine spannende Mischung, auf die sie sich im Vorfeld, bei der Bestellung des Menüs für zwei Personen, schnell geeinigt hatten.
Als die Platte vor ihnen aufgetischt wurde, weiteten sich Marthas Augen ungläubig: „Wow! Ich wusste gar nicht, dass man bei uns um die Ecke so was Feines zu essen bekommt!“
„Wusste ich auch nicht, um ehrlich zu sein. Ich habe vorhin nur kurz im Internet nachgesehen, was von uns aus fußläufig zu erreichen ist und dabei dieses Restaurant entdeckt. Es hatte ganz gute Bewertungen und das sieht ja wirklich sehr lecker aus!“

Das Paar genoss ihr Essen und den entspannten Abend in dem kleinen Restaurant. Sie waren sich sicher, dass sie auch nach ihrem Umzug noch öfters dort vorbeikommen würden, denn einen so guten, original kochenden Asiaten, fand man in Braunschweig sicher kein zweites Mal.
Nach dem feinen Drei-Gänge-Menü spazierten sie Hand in Hand so lange durch die Straßen ihres Noch-Wohnviertels, bis Martha vor Kälte zitterte. Sie erzählte dabei ihrem Mann die Geschichte von der Bekanntschaft mit dem Obdachlosen, die sie bei ihrer ersten Reise an den, für sie damals noch vollkommen fremden Teil Braunschweigs, gemacht hatte. Damals kam sie hier hin, um von Martin die, von ihr geklauten Liebesunterlagen zurückfordern.
Das alles erschien ihr auf einmal unglaublich weit weg, dabei war es gerade mal ein halbes Jahr her.

tuer_tempel„Kaum zu glauben, dass du in der Zwischenzeit mein Mann bist und wir bald in unser eigenes Haus ziehen werden. Für so große Veränderungen brauchen andere Jahre …“
„Und damit wären wir wieder bei deiner Feststellung von vorhin: Die Menschen verändern sich so schnell wie sie selbst es wollen. Du bist eine wache, lebensfrohe Person, deshalb nutzt du jeden feinen Funken Hoffnung als Motivation für ein neues Projekt, dasselbe gilt anscheinend für mich, auch wenn mir das bislang nicht klar war.
Es gibt also keine allgemeingültige Regel: Jeder Mensch bewegt sich so schnell und weit in seinem Leben voran, wie er das will. Währenddessen macht er das, was er am besten kann oder ihm am meisten Freude bereitet. Und jeder entscheidet selbst, um was es sich dabei handelt und ob er außer dem noch etwas anderes lernen und erleben will.“