Frau Mauz in Aktion …

Heute hat Frau Mauz ein paar wundervolle Fotos von ihrem Auftritt bei der Rampenschweinerei in Fürth bekommen. Ihre Freude darüber teilt sie nun, indem sie ein paar davon hier veröffentlicht.

Tausend dank an den Frau Mauz‘ Held des Tages, den Fotografen: Jürgen Klieber

Frau_Mauz_Quetsche

Frau_Mauz_Kabel

Frau_Mauz_Schuhtanz

Frau_Mauz_Suche

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Endlich rund: „Hermann“

Da seit gestern die überarbeitete Version von Endlich rund … wieder online und für jeden als einsehbar ist, gibt es heute den letzten Auszug daraus.

Wer mehr Interesse an Frau Mauz‚ Vorgeschichte hat, darf sich von nun an wieder alleine durch Sabine Mauz‘ chaotisches Leben von damals kämpfen – Denk-, Schreib- und Formfehler inklusive, versprochen …

14.1.2010

Fingerübung:

Hermann

Hermann öffnete die rechte Schublade seines Eichenschreibtischs, dabei strich er sanft mit seiner faltigen Hand über das dunkle Holz. – So etwas wurde Heutzutage nicht mehr hergestellt. Alles Handarbeit. Er konnte sich noch gut daran erinnern, wie sein Vater abends daran saß und schrieb:

Alles war finster in dem kleinen Arbeitszimmer, ein kleiner Lichtkegel beleuchtete das weiße Papier und den Füller in seiner Hand, aus dem er die feinen Buchstaben zauberte.

Hermann seufzte leise. Lang war es her, dass er dieses Kunstwerk zum Abitur vermacht bekommen hatte. In der Zwischenzeit war er selbst Großvater. Aber weder sein Sohn, noch dessen Kinder interessierten sich für den Schreibtisch. Er hatte sie mehrfach gefragt, ob sie ihn haben wollten, zuletzt vor wenigen Tagen. Damals war ihm bewusst geworden, dass er ihn nicht mit in das Zimmer im Altersheim nehmen konnte.

Seine Familie wollte nichts davon hören: Einen Schreibtisch könnten sie schon gebrauchen, aber nicht so ein schweres, breites Monstrum. Sie zeigten ihm ein neues Modell von IKEA in dem dicken Katalog. Das sei ein tolles Geschenk für den Jüngsten, hieß es.

Hermann fiel wieder ein, weshalb er die Schublade geöffnet hatte: Er wollte das Geld dafür aus seiner persönlichen Kasse holen. Er griff danach. Seine Finger fühlten glatt geschliffenes Holz und ein paar lose Zettel, mehr nicht. Sie tasteten weiter, wanderten nach rechts, tiefer ins Fach hinein, aber er fand nicht, was er suchte. Hermann zog die Schublade ganz auf und schaute nach: Nichts.
Ihm wurde schwindelig. Er musste sich setzen, hielt sich dabei krampfhaft am Schreibtisch fest: Das konnte nicht sein! Er wusste ganz genau, wo sich was befand. Seit Jahren steckte der Umschlag in dem alten Terminkalender von 1996. Er hatte ihn aufbewahrt, als er in Rente ging.

Hermanns Blick wanderte suchend durch den Raum und blieb an einem Umzugskarton hängen, auf einmal sah er die Szene von gestern wieder vor sich:
Sein Sohn saß auf dem Stuhl, auf dem er jetzt saß und half beim Aufräumen, besser gesagt, beim Ausräumen. Er selbst war müde und ruhte sich in dem alten Ohrensessel am anderen Ende des Raumes aus. Er hörte nur mit halben Ohr hin, als Jörg ihn fragte: „Kann das weg?“
Er hielt etwas Blaues in der Hand, Hermann konnte nicht genau erkennen, was es war: „Ist so ein olles Teil, längst abgelaufen. Damit fängst du sowieso nichts mehr an!“
Er hatte ihm geglaubt, war zu müde, um aufzustehen und nachzusehen. Es war in die Altpapierkiste gewandert, die sein Sohn später zum Container gefahren hatte. – Das konnte nicht wahr sein: Fünfzehntausend Euro! Nein, das durfte nicht sein! Ihm wurde schlecht, er sackte in sich zusammen.

Als ihn Jörg kurze Zeit später zum Essen abholen wollte, fand er Hermann brabbelnd und jammernd im Stuhl sitzen. Er verstand nicht, worum es ging. War froh, dass der Vater bald das Zimmer im Wohnheim beziehen konnte.

Die 31. eintagsfliege: „Annabell“

Sinnsuche, Liebe, Leid, Leidenschaft, Freundschaft, Nächstenliebe – viele dieser Themen beschäftigen Frau Mauz immer wieder und auf sehr unterschiedliche Weise. In Frau Mauz  31. eintagsfliege geht es um Mutterliebe.

Darum, was sich ein Kind alles von seiner Erzeugerin gefallen lässt, bevor es bereit ist, ihr den Rücken zu kehren. Und darum, wie wichtig es ist, jemanden an seiner Seite zu haben, der einem  die Kraft dafür gibt:

Annabell

Annabell war ein ein hässliches, kleines Kinderbündel, als sie auf die Welt kam, jedenfalls, wenn man ihrer Mutter Inge Glauben schenkte:

„Ich habe ihr den Namen nur deshalb gegeben, weil ich hoffte, dass er sich positiv auf ihre Entwicklung auswirken würde. Wäre es nach meinen ersten Eindruck gegangen, hätte ich sie bestimmt nicht so genannt, sondern Knautschi, Krusti oder … Schorfi – hihihihi!“

Die Geschichte von der schmerzhaften, sehr enttäuschenden Geburt erzählte Inge den neuen Freunden Annabells immer dann, wenn diese sie zum ersten Mal mit nach Hause brachte und ihren Eltern vorstellte. Und bislang hatten alle Jungs in das überzogene Lachen Inges eingestimmt, während Annabell beschämt auf den Boden starrte.

Dieses Mal war das anders:

Björn, ihr neuer Partner, lächelte Inge abfällig an und konterte gelassen: „Ich war ja nicht bei Annabells Geburt dabei, aber ich finde, jetzt könnte dieser Name nicht besser zu ihr passen.“
Er schmachtete die Frau an seiner Seite total verliebt an und begann, die Argumente für seine Aussage aufzuzählen: „Dunkle, braune Rehaugen, eine schwarzbraune Lockenpracht auf dem Kopf, ein sehnsüchtiges, geheimnisvolles Lächeln in den Mundwinkeln, eine traumhaft schöne Figur, … – tu es très belle, ma dame!“
Björn griff nach der zarten, feuchten Hand Annabells und umschloss diese schützend mit seinen warmen, weichen Fingern.

„Und das trifft nicht nur auf deinen Körper zu, sondern auch auf deine Seele …!“
Er drückte Annabells Finger fest und unterstützend, dann schaute er Inge herausfordernd in die Augen:
„Ganz im Gegensatz zu Ihnen! Ich finde es wirklich erschreckend, dass Sie bei unserem Kennenlernen nichts Besseres zu tun haben, als Ihr wundervolles Kind schlecht zu machen. Ich würde mich schämen, wenn ich es nach so vielen Jahren nach wie vor nötig hätte, meinem Besuch abgegriffene und vollkommen uninteressante Geschichten aus Annabells Kindheit zu erzählen.
Sie haben eine tolle Tochter und um ehrlich zu sein, glaube ich, das stört Sie unglaublich. Ihnen wäre es viel lieber, wenn Annabell hässlich geblieben wäre und diesen Namen als Stigma tragen müsste.“

Die Stimme des jungen Mannes wurde immer lauter. Er ließ Annabells Hand los und ging auf Inge zu, bis er direkt vor ihr stand, dann stemmte er seine Hände in die Hüfte und musterte die Frau ihm gegenüber von oben bis unten:
„Hm, also ich finde ja, dass Ihre Ohren etwas zu groß sind und zu weit abstehen, Ihre Nase ist zu klein und rund, Ihr Haar zu dünn und Ihre Lippen sind total verkrampft. Ihre Schultern sind ständig hochgezogen, Ihr Hintern ist zu groß und Ihre Brüste sind zu schlaff. Sie sind eine alte, verbrauchte Frau, die zu viel Alkohol trinkt, heimlich raucht und schon seit Jahren keinen Spaß mehr am Sex hat …“

Björn drehte sich wieder zu seiner Liebsten um und schickte dieser einen Luftkuss zu:
„Du kannst nichts für diese Mutter, meine Süße. Du kannst dir die Eltern nicht aussuchen. Aber wir können dieses Haus verlassen und bei unserem Lieblingsitaliener essen gehen. Und ich finde, das sollten wir jetzt tun!“

Annabell stiegen Tränen in die Augen, sie fühlte sich leicht und geliebt, wie noch nie zuvor in ihrem dreißigjährigen Leben. Ihr Herz flog zu ihrem Liebsten und umschloss diesen: Das ist der Mann, den ich heiraten werde!, entschied sie von einer Sekunde auf die andere.
Sie ging zu ihrem Freund, kuschelte sich an dessen starke Schulter und flüsterte: „Tschüss, Mama!“, dann eilte das Paar Hand in Hand aus dem Haus, das es nie wieder betreten wollte.

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Die 19. eintagsfliege: „Sensationell!“

Da es wohl noch lange dauern wird, bis das Eintagsfliegenheft Volume 2.S erscheint, veröffentlicht Frau Mauz hier und heute wenigstens schon mal eine Geschichte daraus.
Es geht darin um die Kunst, als darstellender Künstler jeden Tag von Neuem auf der Bühne zu stehen und Spaß an dem zu haben, was er / sie da oben tut. Viel Spaß mit:

Sensationell!

„Und, wie fandest du meinen Auftritt heute?“, wollte Ingo von seiner langjährigen Freundin Julia wissen. Diese verzog den Mund zu einer Schnute und kratzte sich mit ihrer rechten Hand am Kopf:

„Du weißt doch, ich finde immer alles toll, was du machst!“, erwiderte sie nach einer etwas zu langen Pause, um noch überzeugend zu klingen.

Ingo schnitt eine Grimasse: „Ich weiß schon, an manchen Stellen zog es sich ein wenig in die Länge. Ich bin einfach nicht mehr so motiviert wie früher …!“

Julia schüttelte ihre graublonden Locken in stillem Protest, nach kurzem Zögern überwand sie sich, das auszusprechen, was ihr auf dem Herzen lag:
„Ganz ehrlich? Früher fand ich dich unglaublich, sensationell! Ingo, du hast geradezu gesprüht vor Freude am Spielen, hattest kein Problem damit, in unerwarteten Situationen zu improvisieren … Ich weiß nicht, aber irgendwie fehlt mir das jetzt ein wenig. Du hast alles so genau auf den Punkt gebracht …“ – Julia fand irgendwie nicht die richtigen Worte, um das auszudrücken, worum es ihr ging: Sie vermisste bei Ingos Spiel dessen Persönlichkeit, seine kleinen Kommentare zu den Dingen, die er gerade tat …- „Du bist einfach zu perfekt! Anders kann ich es nicht formulieren.“

Ingo räusperte ungläubig: „Wie bitte? Ich soll zu perfekt sein? Ich habe heute so viele Fehler gemacht wie in den letzten zwei Wochen zusammen! Da war der mehrmalige Verlust des Balles bei meiner Jonglage, die falsche Fußhaltung, als ich… – „Ach, Ingo, lass es gut sein! Hör auf, dich immer wieder selbst zu zerfleischen! Ich finde es nach wie vor unglaublich spannend, dir bei deinen Auftritten zuzusehen!“, fiel ihm der Techniker Marcus ins Wort, der in diesem Moment neben die beiden Freunde trat. „Ich wollte dir gerade sagen, dass es für mich immer wieder eine Ehre ist, dein Licht und deinen Ton zu fahren! Es ist der pure Genuss!“

„Tja, so unterschiedlich ist die Wahrnehmung!“, flüsterte Julia Ingo ins Ohr und zwinkerte ihm verschwörerisch zu, woraufhin dieser lachen musste: „Ja, da hast du Recht: Die einen wollen mehr Improvisation von mir sehen, für die anderen ist es toll, wenn ich alles genau time …“

„Und wie war es für dich? Was hat dir nicht gefallen?“, wollte Julia wissen und vergaß dabei, dass Ingo bereits eine detaillierte Aufzählung begonnen hatte.

„Wie schon gesagt: …“, betonte er ihren Fauxpas verächtlich: „Ich hätte mehr Konzentration von mir erwartet. Es kann nicht sein, dass ein solch alter Hase wie ich diese dummen Fehler macht!“

Julia lächelte unsicher: „Du bist und bleibst mein Liebling auf der Bühne. Ich würde mir deine Show immer und immer wieder ansehen, auch wenn du tausend solcher Fehler machen würdest. Ich hoffe nur, dass es dir selbst noch Spaß macht, die vielen verschiedenen Rollen zu spielen. Ist es nicht furchtbar einsam da oben?“

Ingo zuckte mit den Achseln: „Mir ist es lieber, ich bin direkt alleine, statt spontan ohne Kollege da zu stehen, weil dieser kurzfristig mal wieder ein anderes Engagement angenommen hat. Ich mache das Beste aus meiner Situation …“

Julia seufzte schwer: „Das stimmt. Auf unzuverlässige Freunde und Kollegen kann man echt verzichten! Also gut, dass du keine hast. Dann lasst uns jetzt endlich auf diesen wunderbaren Abend anstoßen: Das Haus war voll und das Publikum begeistert. Das ist es, was letzten Ende zählt! Morgen steht bestimmt in der Zeitung, dass du super warst, ach, was: Sensationell!“

Sie drehte sich zu dem Kellner um, der bereits begonnen hatte, die frei gewordenen Tische abzuräumen und für den nächsten Tag vorzubereiten: „Bedienung? Können wir bitte drei Gläser Sekt haben? Wir haben was zu feiern!“
Der junge Mann starrte Julia finster an, nickte wenig begeistert, holte tief Luft und bewegte sich kurz darauf ganz gemächlich in Richtung Theke.