Schnee !

SchneeEs kann kein Zufall sein, dass ausgerechnet heute der Autorin dieser kurze Text in die Hände geriet. Er entstand auf den Tag genau vor sechs Jahren, in einem wunderschönen Urlaub in den Dolomiten.
Ist ein wenig philsophischer als die heutigen Texte, aber das schadet ja nicht.
Stammt mal wieder aus Sabine Mauz‘ Erstlingswerk „Endlich rund …

 

20.1.2010

Schnee

Aus der Ferne wirkt die Schneedecke wie eine glatte Schicht. Wie ein Mantel, der sich über die Erde gelegt hat. Man erkennt die Höhen und Tiefen, die Unebenheiten nur an der Schattierung des Schnees: Die Mulden sind dunkelgrau, die Hügel weißgold bis hellblau. Die Landschaft wirkt dadurch viel weicher und runder. Nur an den Stellen, an denen der Wind über die Spitze pfeift, entstehen klare Kanten, wie bei einem Flintstein.

Umso näher man dem Schnee kommt, umso deutlicher werden die Details. Man sieht es schillern und glitzern; einzelne Lichtpunkte leuchten einem entgegen, wenn sich die Sonne in den Kristallen bricht. Es sieht aus, als hätte jemand viele kleine Lichter in die weiche Schicht gewebt, die nun im Wechsel aufblinkten. Winterzauber – endlich weiß ich, wie man auf diesen Begriff kam …

Wenn man noch näher geht, bis knapp über die Schneedecke, sieht man die einzelnen Kristalle. Sie sind wie kleine, gefrorene Sterne, die sich eng an ihre Nachbarn kuscheln. Auf den ersten Blick wirken alle gleich, aber wenn man sie genau betrachtet, erkennt man, dass sie auf unterschiedlichen Ebenen liegen und in ihrer Form verschieden sind. Sie sind Abbilder der großen Bergmassive: alle einzigartig, mit ihren Höhen und Tiefen, Kratern und Kanten. Sie sind wie wir Menschen.

Eiskristall