Plarez vous changez?

Inspiriert von dem Verhalten eines früheren Freundes, entwickelte Frau Mauz heute die Idee für ein neues Bühnenprogramm.
Ob diese jemals von ihr oder einer anderen Person umgesetzt wird, sei dahingestellt, manchmal reicht ja auch schon die Idee …

Plarez vous changez?

Einem Freund kann man alles sagen, auch wenn er einen nervt!

Ja, wirklich? Ist dem so? Wie denn? Und was mache ich, wenn dieser Freund ein Meister der Wort- und Sinnverdrehungen ist? Wenn er nichts von dem, was ich sage so versteht, wie ich es meine:

Lieber Freund,
es wird Zeit, etwas an deinem Verhalten zu ändern. Ich erwarte nicht, dass du dich mir zuliebe selbst aufgibst. Es reicht, wenn du mir zuhörst, wenn du mich und die Wünsche, die ich äußere ernst nimmst. Und zwar genau so, wie ich sie formuliere. Verstehst du das? Plarez vous changez?
Non? Not yet? Schade, then je have to quitte you now. Vielleicht tu comprendes eines Tages, was ich meine.

До свидания! [dasswidan’ja]. Sprich: Auf Wiedersehen!

 

‚NatAlina Metternich’s eintagsfliegen

kopf_taschenWer Frau Mauz‘ eintagsfliegen Volume 1.S. kennt auch schon Alina und Natascha, zwei sehr unterschiedliche Frauen und Freundinnen Mitte Dreißig.
Um diese beiden Charaktere dreht sich die eintagsfliegenreihe ‚NatAlina Metternich‚. Den Nachnamen verdanken sie Michael Metternich, dem dritten Freund in diesem Bunde.

In diesem Artikel wird künftig immer die eintagsfliege zu finden sein, die von Frau Mauz zuletzt überarbeitet wurde …

Im Affekt

„Mann tötet Ehefrau während eines Streits im Affekt: Herr M. stach seiner Gattin mehrfach in den Bauch, nachdem sie ihn zuvor immer wieder als unfähigen Vollidioten mit Alkoholproblem bezeichnet hatte.
Nachdem er sich Ewigkeiten nicht gegen die Beschimpfungen seiner Frau gewehrt hatte, sei ihm das Messer in seiner Hand einfach irgendwann doch noch ausgerutscht. Zuvor habe er eine ganze Weile versucht, trotz ihrer durchgängig nervenden Quitschestimme weiter das Abendessen für sich und sie zuzubereiten, als er es nicht mehr ertragen konnte, sei er mit dem Gemüsemesser auf sie losgegangen …“

Natascha las ihrer Topfpflanze die Anzeige aus dem Düsseldorfer Wochenblatt vor und zog sie bereits währenddessen durch ihre Art, die Sätze zu betonen, ins Lächerliche, dann hielt sie inne und zerknüllte das Papier. „So einen Schwachsinn habe ich schon ewig nicht mehr gehört:Wie bitte schön ist es möglich, nach einer so langen Zeitspanne des Zuhörens im Affekt zu handeln? Er hat sich ihr Gekeife Ewigkeiten gefallen lassen, dann ist das doch kein Affekt mehr! Im Affekt bedeutet, dass man keine Zeit hatte, sich der Konsequenzen einer Handlung bewusst zu werden. Man handelt spontan, vollkommen ohne Hirn!“
Die Pflanze schwieg, starrte weiterhin aus dem Fenster und tat so, als wäre Natascha gar nicht da.
„Weißt du, wie gerne ich Alina im Affekt den Hals umgedreht hätte, als sie mir erklärte, dass sie mich absichtlich mit Frank zusammen gebracht hat, damit ich ihre Party nicht sprenge? Ich war kurz davor, sie zu erwürgen, aber ich habe es nicht getan, obwohl ich stinksauer und zutiefst verletzt war … Dieser Mann hier wusste schon wesentlich länger als ich, wie schrecklich nervig seine Frau ist und was sie von ihm hält, trotzdem wollte er angeblich noch für sie beide ein Essen zubereiten, daran glaube ich nicht! – Ich meine, ich habe mich auch nicht mehr bei Frank gemeldet, nachdem mir Alina ihr Verbrechen gebeichtet hat und das obwohl er mehrfach bei mir anrief. Ich lasse mir so etwas nicht gefallen! Und wieso dieser Mann sich angeblich von seiner Ehefrau solch einen Terror gefallen ließ, verstehe ich auch nicht. Ich glaube nicht, dass sie ihn beschimpft hat. Ich glaube auch nicht, dass er sie im Affekt getötet hat. Ich glaube, dass er sie loswerden wollte und diese Geschichte nur deshalb erfunden hat, damit er nicht so hart bestraft wird – im Affekt, dass ich nicht lache!“
Natascha tat so, als würde sie tatsächlich lachen, aber mehr als ein verbittertes Gackern bekam sie nicht heraus. – Nein, sie wollte nicht mit ihrer Pflanze über solche Themen diskutieren, aber wer blieb ihr denn noch? Alina hatte sie verraten, Michael reiste quer durch die Welt und schickte ihr ab und zu einen blöden Begriff, um sie bei Laune zu halten und Frank war ein unglaublich mieser Machomann, der nichts Besseres zu tun hatte, als wildfremden Frauen unberechtigt Hoffnungen zu machen. Das war doch zum Kotzen! Und über ihre Mutter und ihre restliche Verwandtschaft wollte Natascha nicht einmal mehr nachdenken, die waren einfach nur zum Kotzen! Sie konnte ihnen nichts recht machen, egal, was sie versuchte.

Während sie über ihr trauriges Leben sinnierte, klingelte Nataschas Handy. Sie griff danach und drückte auf die grüne Hörertaste. Ohne auf die Nummer des Anrufers zu achten, blökte sie ein aggressives: „Ja, was gibt’s?“ in den Lautsprecher und wartete auf Antwort.
„Hallo Natascha? Das ist ja schön, dass du endlich ans Telefon gehst. Hier ist Frank. Ich muss unbedingt mit dir reden!“ Einen Moment war sie versucht, sofort wieder aufzulegen, aber wieso sollte sie?! Endlich konnte sie ihn anschreien und ihm all die Sachen an den Kopf werfen, die sie sich in den letzten Wochen immer wieder gedacht hatte …
Während Natascha für ihre Hassrede noch einmal tief Luft holte, sprach der Mann am anderen Ende weiter: „Alina hat mir gebeichtet, welchen Schwachsinn sie dir erzählt hat. Das stimmt alles gar nicht, sie ist doch nur eifersüchtig auf dich und mich!“
Natascha zögerte. Wieso sollte sie ausgerechnet diesem fremden Menschen trauen? Alle anderen, die sie zu kennen glaubte, hatten sie auch getäuscht! – Vielleicht gerade deshalb!, flüsterte ihr die eigene, innere Stimme zu. Vielleicht ist er anders!
„Können wir uns treffen? Ich will das klären!“
Natascha schwankte. Es klang so, als wäre Frank das wirklich wichtig … „Okay, dann aber sofort!“
Am anderen war ein überraschtes Lachen zu hören, dann eine kurze Pause. „Gut, ich komme zu dir. Ich brauche zwanzig Minuten, dann bin ich da!“

 

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