Endlich rund: „So nicht!“

Da Frau Mauz‘ erstes Buchprojekt „Endlich rund …“  momentan überarbeitet wird und deshalb hier zur Zeit nicht einsehbar ist, gibt es heute wenigstens eine kurze Geschichte daraus.
Es handelt sich dabei um eine Nacherzählung aus Sabine Mauz‘ früherem Leben und ist mal wieder ein wunderbares Beispiel für praktisch angewandte Gedankenfreiheit.
Wer genau mitliest, kann herausfinden, warum manche Menschen manchmal lieber schweigen …

24.4.2010

So nicht!

Und, was sagen dir deine Gefühle, um mal ganz direkt zu sein?! Was anderes bringt bei dir ja eh nichts.“

Ich seufzte: „Wirfst du mir das immer noch vor?“

Klar, das werd ich dir noch das ganze Jahr über vorwerfen. Damit hast du mich echt getroffen. Ich hatte mir so viel Mühe mit der Mail gegeben …“

Ich unterbrach ihn, bevor er weiter reden konnte: „Wenn wir uns noch so lange kennen.“

Oh, ach so.“ Er schluckte.

Ich konnte förmlich hören, wie es in seinem Kopf ratterte. Wieder zu direkt für ihn, also versuchte ich meine Worte abzuschwächen:
Ich meine ja nur: Wer weiß, was passiert. Ich mag dich, du bist nett. Wäre das anders, würde ich nicht mit dir telefonieren. Aber mehr kann ich dazu momentan nicht sagen.“

Er schwieg. Das war wieder nicht das, was er hören wollte. Ich war mir sicher, dass er bereits mehr Gefühle für mich hatte. Das „Ach-wie-süß“- Gesäusel eben am Telefon war Hinweis genug. Ich wusste, dass es nett gemeint war, aber er hatte mich damit verwirrt. Ich hatte keine Ahnung, wie ich damit umgehen sollte, also tat ich so, als hätte ich es nicht gehört.

Er räusperte sich: „Also: Was machst du am Wochenende?“

Stimmt, er war noch da. Ich rutschte tiefer unter meine Decke:
Am Freitag bin ich bei meiner Freundin Tabea eingeladen. Wir wollen kochen und endlich mal wieder in Ruhe reden. Wir versuchen seit Monaten, uns zu treffen. Und am Samstag helfe ich meiner Kollegin. Und du?“

Ich gehe morgen Abend wahrscheinlich das erste Mal zum DSA – Spielen. Du weißt schon, „Das Schwarze Auge“, von dem ich dir erzählt habe. Und dann …, am Samstag … weiß ich jetzt noch nicht, was ich dann mache. Am Sonntag bin ich zu guten Freunden eingeladen.“

Sollte das mit Samstag ein versteckter Vorwurf sein?“, seufzte ich.

Er zögerte: „Vielleicht? Ein kleiner?“

Ich hatte dir erzählt, welche Pläne ich habe. Und da das Wetter gut wird, bleibt es dabei.“

Na toll. Das heißt, bei Regen hättest du mich getroffen?!“

Nein, das heißt, dass wir im Garten arbeiten und dafür schönes Wetter sein muss. Ich habe meiner Kollegin schon vor Tagen zugesagt und ich stehe zu meinem Wort!“

Schon gut! Hätte dich halt gern getroffen, aber das geht auch noch nächstes Wochenende.“

Da muss ich arbeiten. Deshalb hatte ich überlegt, am Freitag zu dir zu fahren, denn da habe ich frei. Ich hatte mich schon fast dafür entschieden und wollte das nur noch mit dir abklären, aber dann kam die Einladung von Tabea dazwischen. Ich will sie unbedingt sehen, es geht ihr nicht so gut.“

Echt? Du willst zu mir kommen? Dann kann ich dir die Stadt zeigen: Die alten Gebäude, die Burgen, den Rhein, die Wälder,… Wusstest du, dass Koblenz früher eine Festung war?“

Ich hörte ihn sprechen, aber die Wörter flossen an meinem Ohr vorbei. Das Gespräch hatte mich ermüdet. Woran lag es?
Unser erstes Telefonat war so lebendig, so witzig. Wir redeten bis 3 Uhr nachts. Schon beim zweiten Mal war ich nach einer halben Stunde total fertig. Da hatte ich es noch auf den anstrengenden Tag geschoben, aber heute … – bis eben war ich fit, bis er mir jeden Film aus seiner DVD – Sammlung vorlas.
Hatte ich zu hohe Ansprüche? Man konnte nicht immer über das Leben philosophieren …

Hallo, bist du noch da?“

Oh, entschuldige. Ich bin auf einmal so müde. Ich glaube, ich muss für heute Schluss machen.“

Ok. Ich bekomme auch immer mehr Hunger.“

Dann mach du dir was zu essen und ich hau mich aufs Ohr.“

Schlaf gut und träum was Kuschliges.“

Ich fragte mich, ob das sein ernst war und sagte so neutral wie möglich: Danke, das werd ich.“

Das war neu, das habe ich dir noch nie gewünscht! Da muss ich mir bis zum nächsten Mal etwas anderes einfallen lassen.“ Seine Stimme überschlug sich fast vor Freude …

Hilfe, bitte nicht! Ich hatte es gerade so gut wie möglich ausgeblendet. Das wollte ich nicht: Ich wollte nicht mit so einem Mist beeindruckt werden!
Nein, er war noch nicht so weit. Schade, jetzt war es doch so gekommen, wie ich es in meiner Mail vorausgesagt hatte. Ich musste es so schnell wie möglich beenden, bevor es richtig anfing …

Ich wünsch dir ein schönes Wochenende. Mal schauen, wer von uns morgen als erster die Guten-Morgen-SMS schreibt.“

Ich bestimmt nicht! Aber auch das konnte ich nicht sagen. Also schwieg ich einen Moment und überlegte mir eine nettere Antwort:
Ich vermute du, da ich ausschlafen kann.“

Er seufzte: „Du hast es gut!“

Ja, deshalb schreib bitte nicht zu früh. Werde von SMS nämlich immer geweckt.“

Echt?! Nein, das geht mir nicht so. Das einzige, was mir passiert ist, dass ich das Vibrieren beim Posteingang mit meinem Wecker verwechsle. Und den drücke ich dann im Halbschlaf weiter …“

Haaallooo! Hatte ich nicht gerade versucht, das Gespräch zu beenden? Wie konnte man nur aus jedem Mist einen Vortrag machen!

Er schwieg, also noch einmal: „Du, ich muss jetzt echt ins Bett!“

Ok, dann bis bald.“

Ja, bis dann. Tschö.“

Tschüssi.“

Endlich Ruhe!

Nein, das mit uns konnte wirklich nichts werden. Das musste ich nur noch ihm begreiflich machen …

Morgen!

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