Die 195. eintagsfliege: „Meine Mama liebt mich!“

Die Hitze macht es möglich: Bevor Frau Mauz überarbeitet ihre Geschichten und teilt diese mit ihren virtuellen Freunden.
Da Leonie und Caro hier bereits bekannt sind und diese Frau Mauz zur Zeit besonders am Herzen, gibt es heute eine weitere Fortsetzung der beiden.
Zwischen dieser und der letzten Folge ist einiges passiert, was vielleicht eines Tages in den Heften der Frau Mauz nachzulesen sein wird. Die Geschichte kann aber auch einfach für sich stehen und sprechen …

Meine Mama liebt mich!

Meine Mama liebt mich!, dachte Leonie glücklich, als sie von ihrer Mutter Caro einen dicken Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn gedrückt bekam.

„Schlaf gut, mein Liebling!“, wünschte diese ihrer Tochter zum Abschied, steckte das Nachtlicht in die Steckdose und verließ dann leise den Raum. Leonie hörte ihr dabei zu. Sie genoss die sanften Schritten, den schweren Atem, das vorsichtige Verschließen der Türe …

Meine Mama liebt mich wirklich!
Leonies Herz pochte laut und aufgeregt, obwohl es für sie doch schon längst Zeit zum Schlafen war. Jedenfalls hatte dies ihre Mutter behauptet, obwohl es draußen noch hell war …

Hätte ich nur die Uhr schon richtig gelernt, schoss es der Siebenjährigen durch den Kopf. Irgendwie war ihr das Lesen der zwei Zeiger auf dem runden Ziffernblatt bis jetzt noch nicht so wichtig vorgekommen. Erst heute verstand sie den Sinn davon: Sie hatte das erste Mal in ihrem Leben das Gefühl, dass es noch gar nicht Schlafenszeit war. Sie wäre gerne noch eine Weile bei ihrer Mutter vor dem Fernseher sitzen geblieben.

Im Flur klingelte das Telefon. Leonie hörte die schnellen Schritte ihrer Mutter, die flüsternde Stimme, das Schließen der Wohnzimmertüre, dann war es wieder still.

Ob das die Mutter von Niklas und Caspar ist?

Leonies Mama hatte mit dieser seltsamen Frau doch nicht mehr telefoniert, obwohl sie es ihr beim Abschied versprochen hatte. Aber vielleicht hatte sie das nur deshalb nicht getan, weil sie Leonie beruhigen wollte? So, wie ihr die Mutter auf der Fahrt nach Hause immer wieder versichert hatte, wie gut sie es fände, dass Leonie sich gegen diese „kleinen Ganoven“ gewehrt hatte, sich nicht „einfach so“ von ihnen beklauen ließ … – Was hatte Niklas gesagt: Die Farbe von ihrer Mutter sei gelb? Caro sei ein Mensch, der sich gerne auf der Sonnenseite des Lebens bewege und anderen das Licht klaue …?

Mama klaut mir kein Licht! Leonie verschränkte in der einsamen Dunkelheit ihres Zimmers die Arme vor ihrer Brust: Meine Mama liebt mich!

Obwohl Leonie sich das nun schon die ganze Zeit einredete, konnte sie den bösen Abschied von Frau Jennifer Reichmann nicht vergessen:

Alles klang bei dieser Frau so, als sei Leonie schuld daran, dass sie mit ihrer liebsten Freundin Caro nicht in Ruhe Kaffee trinken konnte. Es klang so, als würde beim nächsten Mal alles besser werden, wenn Leonie nicht dabei war …

Zweifel nagten an dem Mädchen: Vielleicht hatte ihre Mama sie mit dem Lob nur angelogen und war in Wirklichkeit auch froh, wenn sie das nächste Mal ohne ihre Tochter zu Frau Reichmann gehen konnte …

Wenn Mama nur wüsste, was Niklas über sie gesagt hat. Das war bestimmt die Idee seiner Mutter …- Aber konnte das wirklich sein? Er hatte doch auch über seine eigene Mutter geschimpft und diese als blau bezeichnet. Sie sei wie ein verträumte Wolke …

Leonie hatte nicht verstanden, wieso Niklas die Menschen als Monster bezeichnete, aber sie hatte sehr wohl verstanden, dass der vierzehnjährige Junge einen guten Blick für die Eigenheiten der Erwachsenen und anderen Kinder hatte. Sein Urteil über Leonies Mutter klang nicht wirklich gut: Sie klaue anderen Menschen das Licht … – klaut mir meine Mama mein Licht …?

Die Frage tauchte unweigerlich in Leonies Kopf auf und das, obwohl sie sich diesen Zweifel den ganzen Tag nicht erlauben wollte.

Erst jetzt, da sie wusste, dass ihre Mutter hinter ihrem Rücken telefonierte und nicht wollte, dass sie es hörte … – Wahrscheinlich entschuldigte sie sich gerade für das Verhalten ihrer Tochter …

Mama hat nicht verstanden, worum es mir bei dem Streit ging. Sie hat zwar so getan, aber wieso ich unbedingt heim gehen wollte, hat sie nicht verstanden Sie dachte, das wollte ich nur wegen des geklauten Schokobonbons, dabei war das gar nicht der Grund …

Tatsächlich hatte Leonie diesen Vorfall nur als Ausrede benutzt. Eigentlich hatte das Mädchen bereits gehen wollen, bevor sie überhaupt dort waren. Die Geschichte mit den Monstern hatte es nicht besser gemacht.

Nein, ihr Wunsch war nicht zu erklären, jedenfalls nicht so leicht. – Und Mama will es sowieso nicht wissen. Sie will einfach nur, dass ich glücklich bin, so wie sie es immer wieder sagt …

Und weil Leonies Papa schon so wenig dafür tat, wollte wenigstens sie die Wünsche ihrer Tochter „respektieren“. – Was auch immer das heißen sollte …

Leonie schloss die Augen und versuchte, den blöden Tag zu vergessen …

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